Ohne Worte

Geisterrad

Meldung auf Velo2010.de

Ida, Militärring, Geisterrad

Das Rad neu erfinden

aufgehobene Benutzungspflicht

Benutzungspflicht aufgehoben, das "Kölner Schild"

Am Montagabend sah ich zufällig im Nachrichtenblock der Lokalzeit Köln wie eine große Traube von Journalisten Klaus Harzendorf, den Amtsleiter für Straßen und Verkehrstechnik, umringte. Es ging wohl um Radverkehr: Grund für die Nachricht war ein neues Schild, das auf die Entwidmung des benutzungspflichtigen Radweges in der Krefelder Straße hinweist. Radfahrer können nun wählen, ob sie den alten jetzt sogenannten “anderen Radweg” nutzen möchten oder einfach die Fahrbahn.

Am Tag darauf konnte ich es in der Lokalpresse online lesen und war doch verwundert: Was uns Klaus Harzendorf in verschiedenen Interviews wohlwollend als Gefälligkeit der Stadt Köln verkaufen wollte, war nicht nur rechtlich lange überfällig, sondern gehörte schlichtweg zu seinen Pflichten.

Hintergrund ist die sogenannte Fahrradnovelle, eine Änderung der Straßenverkehrsordnung (StVO) aus dem Jahr 1997. Demnach dürfen Städte und Gemeinden eine Radwegbenutzungspflicht nur dort anordnen, wo die Anforderungen an die entsprechenden Verwaltungsvorschriften der StVO erfüllt werden und auch nur wenn aufgrund der besonderen örtlichen Verhältnisse eine Gefahrenlage besteht. Ende 2010 gab es dazu ein entsprechendes Verwaltungsgerichtsurteil (BVerwG 3 C 42.09), das es den Radfahrern erleichtern wird, dieses Recht auf Nicht-Benutzung auch einzuklagen.

Bislang haben nahezu alle Städte und Gemeinden – nicht nur Köln – diese besonderen Paragraphen und Verwaltungsvorschriften zugunsten von Radfahrern ignoriert. Das geht jetzt nicht mehr. Das Urteil und klagewillige Radfahrer nehmen die Städte und Gemeinden in die Pflicht.

Jürgen Möllers, Fahrradbeauftragter der Stadt Köln, hat die Zeichen erkannt und mit seinem Team dieses Aufsehen (vorausgesetzt, man sieht es ;-) ) erregende Schild (Bild oben) entwickelt. Für jeweils drei Monate soll das Schild in Zukunft Auto- und Radfahrer über die Aufhebung der Benutzungspflicht informieren. – Ein klitzekleiner Schritt für den Radverkehr, ein Riesenschritt für das Amt für Straßen und Verkehrstechnik (Bislang gingen ihre Fahrradfreundlichkeiten nicht über das Aufstellen von Abstellanlagen und das Malen von Linien am rechten Fahrbahnrand hinaus.). Über Sinn und Unsinn dieses Schildes kann man sicher lange streiten, aber immerhin setzt sich die Behörde endlich mit der langfristigen Entwidmung vieler Kölner Radwege auseinander und stellt sich damit der unerbittlichen Kritik unserer automobilen Gesellschaft. Nichtsdestotrotz und auch in Anbetracht meiner noch folgenden kritischen Anmerkungen halte ich diese Aktion für sehr mutig und lobenswert.

Alternativen

Alternativen - die erste Schilderkombination oben ist meiner Phantasie entsprungen ;-)

Um mir selbst ein Bild zu machen, bin ich in die Krefelder Straße gefahren und habe dort, wie nicht anders zu erwarten, die jetzt freigegebene Fahrbahn benutzt. Schade, bin ich doch innerhalb kürzester Zeit zweimal viel zu dicht überholt und abgedrängt worden, und augenscheinlich war ich der Einzige, der das Angebot, auf der Fahrbahn zu fahren, annahm. Das änderte sich auch die nächsten anderthalb Stunden nicht. Lediglich stadteinwärts verzichteten Radfahrer ab und an auf die Benutzung des Radweges, das hatte aber vor allem technische Gründe: Für einbiegende Radfahrer ist der Radweg schwer zu erreichen, und teilweise war der Radweg auch zuvor nicht benutzungspflichtig.

Jedenfalls habe ich mich gewundert, dass diese innovative Neuerung so überhaupt nicht angenommen wurde. Deswegen habe ich auf dem Radweg stadtauswärts fahrende Radfahrer gefragt, ob sie von der Aktion des Amtes für Straßen und Verkehrstechnik wissen und wenn ja, warum sie trotzdem nicht auf der Fahrbahn fahren. Den Zusammenschnitt der verschiedenen O-Töne kann man sich hier anhören:

Audiofile bitte anklicken:

O-Töne: Radfahrer auf der Krefelder Straße

Das Ergebnis war niederschmetternd. Wie eine junge Dame feststellte: Ihr Leben lang hätte man ihr eingetrichtert, den Radweg zu benutzen, weil es sicherer sei, warum solle sie jetzt auf der Fahrbahn fahren? Die Menschen haben Angst auf der Straße zwischen den Autos und LKW. Das kriegt man aus ihren Köpfen so ohne weiteres nicht heraus. Deswegen ist eine gute Aufklärung der Bürger durch alle Beteiligten viel viel wichtiger als das einfache Konfrontieren mit – für die meisten – unverständlichen Tatsachen und da muss auch ich meinen bisherigen Ansatz überdenken. Velo 2010, die Stadt Köln und die Polizei wären hier gefordert. Anstatt unsinnige Lichtaktionen zu zelebrieren – mangelnde technische Ausrüstung der Räder ist nur ein gefühltes Problem und in den wenigsten Fällen unfallträchtig – sollten sie ihren Infostand in die Krefelder Straße stellen und den Betroffenen erklären, warum sie jetzt die Fahrbahn benutzen dürfen und vor allem, dass Radfahrer auf der Fahrbahn sicherer unterwegs seien. Eine Maßnahme, die ich begrüßen und sogar tatkräftig unterstützen würde.

Aber man muss das Rad nicht neu erfinden. Aus dem Büro des Fahrradbeauftragten kam mal eine m.E. geniale und versuchsweise auch umgesetzte Idee: Fahrradpiktogramme auf der Fahrbahn der Venloer Straße in Köln-Ehrenfeld (unterstes Foto auf dem zweiten Bild, oben). Diese Zeichen auf der Straße haben zwar rechtlich keine Bedeutung, erinnern aber trotzdem jeden Fahrzeugführer daran, dass Radfahrer dort fahren dürfen und fahren werden. Aber die Ehrenfelder Bürger setzten auf Separierung. Ihrem Wunsch gemäß richtete man dort Schutzstreifen ein, die meiner Einschätzung nach hier, genauso wie in der Neusser Straße nicht funktionieren. Warum sich die Piktogramme gegen die Schutzstreifen nicht durchzusetzen vermochten, kann nur das Ergebnis mangelnder Kommunikation und Information sein. Meines Wissens hat die Ehrenfelder Bürger und Initiativen niemand über neue und andere verkehrstechnische Möglichkeiten informiert.

Piktogramme auf der Fahrbahn (in Zukunft vielleicht etwas größer) wären auf der Krefelder Straße für mich die erste Wahl gewesen, mit den beiden Vorteilen, dass die Piktogramme nach drei Monaten immer noch vorhanden wären, und dass sich sowohl Auto- als auch Radfahrer daran hätten orientieren können. Piktogramme sind wegen der einfachen Bildsprache leichter zu verstehen als das viel zu kleine “Kölner Schild”, dass im Schilderwald der Stadt sowieso untergeht und deshalb von den wenigsten Verkehrsteilnehmern wahrgenommen wird.

Idealerweise würde man solche Strecken als Fahrradstraßen ausweisen, aber soweit ist man in Köln noch nicht. Neben der Krefelder Straße denke ich dabei insbesondere an die Wälle, die als wichtige Nord-Süd-Verbindung nicht zu unterschätzen sind. Vielleicht würde das richtige Konzept sogar eine alternative Infrastruktur anziehen, Straßencafés, die von der Ruhe der leisen Verkehrsmittel profitieren, Bike-In-Imbisse  oder was der bewegte Radfahrer sich sonst noch alles so erträumt, denn träumen ist erlaubt … auch in Köln.

Krefelder Straße

Krefelder Straße

Links:

Sicherheit von Radwegen, ADFC NRW

ADFC Gütersloh: Radwege Info

Presse:

Ab sofort dürfen Radfahrer auch auf der Krefelder Straße fahren – Köln.de

Radler dürfen die Straße nutzen – Kölner Stadt-Anzeiger

Trotz Radweg: Radfahrer dürfen auch die Straße benutzen – Köln Nachrichten

Wahlfreiheit für Kölner Radfahrer – Kölnische Rundschau

Cycolonia – So war’s

Sonntag vor etwa zwei Wochen endete die zweite Cycolonia. Die liebenswerte Fahrradpublikumsmesse hatte weitaus mehr zu bieten, als ich hier darstellen kann. Ich habe schlichtweg nicht alles geschafft, denn ich hatte meine ganz persönlichen Schwerpunkte.  

  

zur Cycolonia

Anfahrt Cycolonia

Klein und unscheinbar wirkt das Olympiamuseum, betrachtet man es von Deutz aus. Neben den ganzen Neubauten ist es kaum noch wahrzunehmen. Das traumhafte Wetter lockte eher zum Ausflug als auf eine Messe. Doch ich wollte auf keinen Fall die Cycolonia versäumen. 

Cycolonia Banner

Cycolonia Banner

Wie zu erwarten hat das Büro des Fahrradbeauftragten es dieses Jahr wieder nicht geschafft, die Zufahrt über die Drehbrücke für Radfahrer freigeben zu lassen. Schade. Auch die Fahrradparkplätze waren rar und nicht bewacht. Allerdings präsentierten sich auf der Straße vor dem Olympiamuseum zahlreiche Aussteller, unter deren Augen wohl kaum ein Dieb schweres Gerät angewandt hätte. 

Eingangsbereich

Eingangsbereich

Cycolonia Testparcours

Cycolonia Testparcours

Hinter den Gebäuden stellten die Veranstalter einen Testparcours zur Verfügung, auf denen die Ausstellungsstücke auf einem kleinen Rundkurs direkt ausprobiert werden konnten. Was der Gesetzgeber bisher nicht geschafft hat: Hier war leider der Helm Pflicht, ob er passt oder nicht. ;-)  

Helmpflicht auf der Cycolonia

Helmpflicht auf der Cycolonia

Jürgen Roters, der Kölner Oberbürgermeister, übernahm die Schirmherrschaft der Cycolonia 2011 und glänzte durch Abwesenheit. Die Eröffnungsrede hielt Bürgermeister Manfred Wolf. Sicher eine Frage der Priorität. Es gibt Gerüchte, dass Roters seit den sogenannten Veedelstouren im Wahlkampf nie wieder auf einem Fahrrad gesichtet wurde. Die unmittelbar folgende Diskussionsrunde über Kölner Radverkehrspolitik hat auch Manfred Wolf nicht weiter interessiert. Nach fünf Minuten war er weg … 

Manfred Wolf, Kölner Bürgermeister

Kölner Bürgermeister Manfred Wolf

… obwohl es hätte spannend werden können: Stephan Behrendt (ADFC), Jürgen Möllers (Fahrradbeauftragter der Stadt Köln und Vorstandsteam VCD Köln), Hans-Georg Kleinmann (Fahrradsternfahrt Köln und Vorstandsteam VCD Köln) und Ralph Herbertz (Vorstandsteam VCD Köln) sollten laut Programm in einer lebendigen Diskussion Rede und Antwort stehen. Dass es nicht sehr kontrovers zugehen würde, war zu erwarten. Bis auf Stephan Behrendt kommen die anderen drei Teilnehmer, einschließlich des Fahrradbeauftragten, aus dem gleichen Haus, dem Vorstandsteam des Kölner VCD

Cycolonia Radverkehrspolitik

Von links nach rechts: Stephan Behrendt (ADFC), Jürgen Möllers (Fahrradbeauftragter), Hartmut Fiebig (Moderator, Cycolonia), Hans-Georg Kleinmann (Fahrradsternfahrt Köln), Ralph Herbertz (VCD)

Was mich insbesondere interessierte war, wie sich der Fahrradbeauftragte präsentieren wird, hatte ich seinerzeit große Hoffnung in sein Amt gesetzt. 

Die Kommunikation zwischen ihm und Menschen, die konkrete Vorstellungen von Radverkehr haben, hat sich in der Vergangenheit als schwierig dargestellt. Die Radverkehrssituation “schönzureden”, ist vielleicht bei seinem Amtsleiter, Klaus Harzendorf, willkommen,  für Alltagsradler allerdings ist das keine adäquate Lösung. Auf der Cycolonia stellte unser Fahrradbeauftragter sich und seine Aufgaben vor, nämlich “den schwierigen Spagat hinzubekommen zwischen Service, Öffentlichkeitsarbeit, was die Bürgerinnen und Bürger der Stadt wollen, was sie erwarten und das halt in der Verwaltung zu koordinieren, voran zu bringen und die entsprechenden Dienststellen und uns selber dazu zu bewegen immer mehr für den Radverkehr zu machen. Das ist so ungefähr das ganze Spektrum, was ein Fahrradbeauftragter abdeckt, d.h. Ansprechpartner letztendlich für alle Themen rund um Fahrrad fahren in Köln.” – Nichtsdestotrotz hat meiner Meinung nach der Fahrradbeauftragte eher Schwierigkeiten, den Spagat zu bewältigen zwischen der Kommunikation mit Bürgern, die ein Anliegen jenseits von “Straße fegen” haben und dem, was in der Verwaltung tatsächlich möglich ist, nämlich so gut wie nichts. Von der Umsetzung eines Bürgerbegehrens bzw. einer Mängelinformation bis zur Mängelbeseitigung will ich gar nicht reden. In der aktuellen “FahrRad” 01/2011 vom Kölner ADFC und in den Kölner Fahrradblogs sind einige dieser traurigen Beispiele nachzulesen.

Dabei kommuniziert Möllers keinen Unsinn, alles ist durchweg brauch- und nachvollziehbar, vorausgesetzt es wird nicht konkret. Dann geht plötzlich nichts mehr. Dann wird die Transparenz, die er neuerdings kommuniziert so blickdicht wie die Strumpfhose meiner Großmutter. 

Was nutzt unserer Stadt ein Fahrradbeauftragter, der zwar dem Leiter des Amts für Straßen und Verkehrstechnik gefällig ist, nicht aber dem Bürger? 

Zum Beispiel erscheint beinahe nach jeder aufgestellten Haarnadel (Kölner Fahrradabstellpfosten) eine Pressemeldung. – Allein durch das Bereitstellen von mehr Fahrradabstellanlagen wird Radfahren in Köln aber nicht sicherer. – Doch diese Pressemeldungen lesen sich so wunderbar und haben vor allem keine Konsequenzen für den Kraftfahrzeugverkehr.  :roll:  

Und auf Kölns Straßen sterben Fahrradfahrer. – 2010 über dreieinhalbmal soviel, im Verhältnis zu den Einwohnern, wie in der gleichen Zeit in Berlin. Stadt und Polizei sorgen bei der Veröffentlichung entsprechender Unfallzahlen dafür, dass der Verdacht nicht auf die Behörden und deren unzulängliche Radverkehrsanlagen fällt, im Zweifel sind die Radfahrer selber schuld: Sie tragen keinen Helm und fahren bei Rot über die Straße, schrieb der Kölner Stadtanzeiger nach der Veröffentlichung der Unfallzahlen durch die Polizei. 

Nachdenkliches

Flugblatt auf der Cycolonia: Bittere Wahrheit!

Damit wären wir beim nächsten Programmpunkt, der Verkehrssicherheitsberatung. Frank Regge vom Beleuchtungshersteller “Busch & Müller” sowie Polizeioberkommissar Joachim Schalke, Verkehrssicherheitsberatung und Prävention bei der Polizei Köln, teilten uns ihre Erfahrungen mit. 

Cycolonia Verkehrssicherheitsberatung

Cycolonia Verkehrssicherheitsberatung

Frank Regge stellte das Tagfahrlicht von “Busch & Müller” vor, dazu erklärte Herr Schalke auf Nachfrage, dass es zwar den ein oder anderen Polizisten gäbe, der froh wäre, wenn Radfahrer überhaupt ein funktionierendes Licht am Rad hätten und sei es nur Batteriebeleuchtung, man aber insbesondere bei Schwerpunktkontrollen davon ausgehen muss, dass Polizisten durchaus jede Form von unzulänglicher Beleuchtung kontrollieren und bei Beanstandungen ahnden würden. 

So ist das mit den Regeln. Und die Polizei hat da einen ganz klaren Auftrag. Obwohl eigentlich bekannt ist, dass unzulässige Beleuchtung seltenst unfallursächlich ist. Polizeihauptkommissar Karsten Witt, Leiter einer Polizeiwache in der Nähe von Lübeck, hat drei Jahre lang Fahrradunfälle analysiert und kam zu dem Schluss: “Das Fahren ohne Licht spiele für das Unfallgeschehen kaum eine Rolle, ‘das ist nur ein gefühltes Problem.’” (Lübecker Nachrichten-Online/Lokales vom 14.11.2010) 

Frank Regge ergänzte dann – und das wird leider sehr häufig vergessen – komme es doch einmal zu einem Unfall, bei dem die Beleuchtung vielleicht nur eine untergeordnete Rolle gespielt haben könnte, könnte ein eventueller Beleuchtungsmangel durchaus unabsehbare zivilrechtliche Konsequenzen nach sich ziehen. 

Leider hat Herr Schalke das leidige Helmthema nicht außen vor gelassen. Wohlwollend unterstelle ich ihm, dass es sich dabei um einen dienstlichen Auftrag handelte. Allerdings habe ich ihn selbst noch nie “oben ohne” gesehen – ist er wohl doch ein Überzeugungstäter? ;-) Jedenfalls hat er versucht, an einem Beispiel aus dem realen Kölner Unfallgeschehen zu belegen, wozu ein Helm in der Lage sein kann. Das gelang ihm immerhin durchaus sensibel und ohne erhobenen Zeigefinger. Und in dem genannten Fall mag der Helm seinen Träger tatsächlich auch vor schlimmeren Verletzungen bewahrt haben. 

Alles in allem überzeugte Polizeioberkommissar Schalke vor allem aber dadurch, die Gründe für das recht hohe Unfallgeschehen nicht alleine bei Radfahrern zu suchen. Anhand einer Unfallschwerpunktkarte und einer recht anschaulichen Grafik zum Prinzip Radweg verdeutlichte er, dass auch behördenseitig einiges durch intelligente Verkehrstechnik zur Unfallprävention getan werden könnte und hier der Bürger dringend gefordert sei, sein Anliegen der Politik und Verwaltung zuzutragen. 

Toplight Line Plus

Toplight Line Plus in der Batterieversion

Eine Neuheit stellte mir Frank Regge später an seinem Stand von “Busch & Müller” vor. Ende April kommt das Toplight Line Plus als Batterieversion auf den Markt. Das Rücklicht soll es in den Varianten Permanent und Senso geben. Genau das Richtige für meine Anhängerbox. Der Pressedienst Fahrrad hat es bereits vorgestellt. 

Kunst und Tuning

Kunst und Tuning

Die Designer vom Team Tentakulus, Oliver Bauer von Cycoholic und Eduard Maier von der Veloküche stellten in der Rubrik Kunst und Design ihre Arbeiten vor. 

Fahrraddesign

Team Tentakulus mit Moderator Hartmut Fiebig

Eduard Maier von der „Veloküche”

Eduard Maier von der „Veloküche”

Cool, vor der Messe führte Eduard Maier sein Tallbike vor. Paul und interessierte Besucher durften probesitzen- oder fahren. 

Velopolo, Bikepolo, Cyclepolo

Velopolo, Bikepolo, Cyclepolo

Auf dem Dach gab es wie im letzten Jahr ein spannendes Bikepolo-Turnier. Das schreit nach Mitmachen: In Köln scheint sich schon eine beachtenswerte Szene etabliert zu haben: Bikepolo Cologne

Velopolo, Bikepolo, Cyclepolo

Velopolo, Bikepolo, Cyclepolo

So schön ist dann ein Sieg beim Bikepolotournier

Gewonnen, alles freut sich.

180° auf der Cycolonia

180° auf der Cycolonia

Die Zweiradwerkstatt 180° präsentierte sich wieder am Eingang zur Cycolonia mit einem kostenlosen Reparaturservice. 

Auch wenn man meinen könnte, ich hätte diesmal viel zu meckern gehabt, ich hatte zwei wunderbare Tage auf einer nach wie vor liebenswerten Messe. Meiner Lobhudelei in “32 grüne Gründe” ist nur kaum noch etwas hinzuzufügen. Und meckern muss ich, wenn es radverkehrspolitisch wird und da hat uns die Cycolonia diesmal einiges geboten. Klar hätte es kontroverser sein können, aber die Messe wächst mit ihren Aufgaben. Immerhin stand der Fahrradbeauftragte, Jürgen Möllers, an beiden Tagen mehr oder weniger Rede und Antwort. Leider waren gleichzeitig nur wenige Blogger da, die das Angebot sicher gerne genutzt hätten. 

Hartmut Fiebig und seinem Team möchte ich an dieser Stelle für ein wunderbares Fahrradforum danken und bin neugierig, was sie uns im nächsten Jahr an Innovationen und Möglichkeiten präsentieren werden. 

Ramin Houchmand, Mitglied des Cycolonia Teams, stellte gegenüber dem Pressedienst Fahrrad fest: “Wir feiern das Fahrrad – vielen Dank an alle, die mit uns feiern!” 

Danke für das Fest!

Endlich …

... mit dem Radvergauf in Köln geht es Bergauf!

... mit dem Kölner Radverkehr geht es bergauf!

Wir sind der Verkehr!

Critical Mass Köln

Treffpunkt am Rudolfplatz, unter dem Hahnentor

Letzten Freitag trafen sich Kölner Radfahrer auf dem Rudolfplatz zu einer “Critical Mass”, die ihren Namen wirklich verdient hatte. Leute aller Couleur versammelten sich, um gemeinsam Rad zu fahren und um zu zeigen, dass wir alle Teil des Verkehrs sind. Gegen 18.00 Uhr ging es auf die Ringe, Richtung Ebertplatz.

Critical Mass Köln

Critical Mass in Köln

Es hat Spaß gemacht, wir waren alle gut gelaunt, für viele war es die erste Critical Mass (CM). Wir waren neugierig, stellten uns höflich unseren Nachbarfahrern vor und plauderten aus dem Nähkästchen. Freundlich wurden wir vom Gegenverkehr angehupt, die Menschen haben gewunken. Alles in allem eine tolle, friedliche Stimmung. Wie selbstverständlich stoppte die Critical Mass, um einem nicht vorfahrtberechtigten KVB-Bus Vorrang zu gewähren. – Über sechzig Radfahrer haben sich mit großer Freude erlaubt, sich den Verkehrsraum zu nehmen, der ihnen auch zusteht.

Critical Mass Köln

Critical Mass, erster unfreiwilliger Stopp

Am Ebertplatz sprach uns dann auch ein Motorradpolizist an, was wir denn hier machen würden. In Anbetracht der Großdemo am darauf folgenden Samstag war es für ihn klar: “Sie demonstrieren doch … gegen Atom”. Es war mir fast peinlich zu antworten, denn er hatte wirklich höflich gefragt und ich wollte nicht den Anschein erwecken, mich über ihn lustig zu machen: Wir fahren Fahrrad. – Sie demonstrieren doch hier? – Nein ehrlich, wir fahren gemeinsam Fahrrad. Jetz kam ich mir doof vor, muss ich mich jetzt rechtfertigen, weil ich mit anderen Fahrrad fahre? Jede Woche fahren laut hupende Hochzeitskorsos durch die Stadt und bei jedem größeren Fußballspiel legen motorisierte Fans unbehelligt die ganze Stadt lahm, weil die grölenden Horden uns demonstrieren wollen, dass sportlicher Erfolg etwas mit Alkohol und Hubraum zu tun hätte. – Zweierlei Maß!

Einen Augenblick habe ich mich geärgert, mich dann aber besonnen: Er hat gefragt, er war höflich und letzten Endes war es seine Aufgabe herauszufinden, ob von uns eine Bedrohung ausgehen könnte. Das war ja jetzt auch die erste ernstzunehmende Critical Mass in Köln, nicht nur für uns. Auf der Nord-Süd-Fahrt, Höhe Breslauer Platz, kam uns im Gegenverkehr ein Funkstreifenwagen entgegen. Mir wurde mulmig: Wenn der jetzt einen Unfall macht. – Nichts passiert. Prima.

Aber kurzum, unsere Critical Mass wurde zum ersten Mal gestoppt. Wir erklärten unser Anliegen, nämlich Fahrrad zu fahren, und der wortführende Polizist bot an, uns zu eskortieren. Wir hatten nichts dagegen. – Dass weder wir noch sie wussten, welchen Weg diese Critical Mass letzten Endes einschlagen würde, führte zu mindestens einer, sagen wir, unangenehmen Situation: Der vorausfahrende Funkstreifenwagen bog nach links Richtung Hauptbahnhof ab, während die CM geradeaus weiter fuhr. Und so leid es mir tut, das war komisch. Marco hat die Situation sehr pointiert in seinem lesenswerten Beitrag geschildert. Dem ist kaum noch etwas hinzuzufügen. Ich habe herzlich gelacht.

Critical Mass Köln

Der Kraftfahrzeugführer (links) hat leider das Thema verfehlt und wurde umgehend von der CM ausgeschlossen! ;-)

Critical Mass Köln

Geschäftsidee: Critical-Mass-Leihräder gibt es leider nur als Fotomontage

Critical Mass

Critical Mass Köln, zweiter unfreiwilliger Stopp

Aber keiner mag das Gefühl, nicht ernst genommen zu werden. Am Offenbachplatz vor der Oper wurden wir wieder angehalten. Diesmal mit fünf Funkstreifenwagen, zwei Motorrädern, einem Fahrrad (Über den Fahrradpolizisten habe ich mich sehr gefreut) und nun auch für länger: Cirka 10 Minuten mussten wir warten, bis die Umstände geklärt waren, unter denen wir endlich weiter fahren durften.

In Zweier-Reihen, jetzt hatte der Zug eine beachtliche Länge erreicht, ging es teilweise unter der Nutzung von Sonderrechten weiter. Wir mussten an so gut wie keiner Ampel mehr halten und am Rudolfplatz durften wir an unüblicher Stelle links auf die Ringe abbiegen. Um ehrlich zu sein, wollten wir keine Sonderrechte, schließlich sind Radfahrer in der Lage – stimmen denn die Bedingungen –  sich an die Verkehrsregeln zu halten, aber: Des Menschen Wille ist sein Himmelreich. Die Polizei war uns gegenüber achtsam und umgekehrt wir ihnen.

Critical Mass Köln

Sicherheit für Radfahrer

Das wichtigste Argument für die Eskorte war unsere Sicherheit, nicht aber die anderer Verkehrsteilnehmer. Die Polizisten fuhren ihre Motorräder mit beachtlicher Geschwindigkeit auf Gehwegen und ordnungswidrig parkende Fahrzeuge, wie oben auf dem Schutzstreifen, wurden geflissentlich übersehen. Das hat mir nicht gefallen – nicht auszudenken, wenn durch den Polizeieinsatz etwas passiert wäre.

Schließlich gab es noch einen dritten Stopp – unsere Gruppe war mittlerweile auf die Hälfte geschrumpft – und man erklärte, dass die Eskorte uns nun, bis auf den Rad fahrenden Polizisten, verlassen würde, da sie bemerkt hätten, dass wir bisher verantwortungsvoll mit der Situation umgegangen seien. Das ist doch ein Erfolg.

An dieser Stelle möchte ich mich für den dennoch besonnenen Umgang der Polizei mit der Critical Mass bedanken. Auch wenn mich störte, dass wir immer wieder angehalten wurden und auf die Eskorte nicht verzichten konnten – es war einfach nicht schlimm, dass sie da waren. Im Gegenteil, so manchen Beamten haben wir im Gespräch auf den katastrophalen Umgang der Verkehrsbehörden mit dem Radverkehr aufmerksam machen können. Ich denke, Polizisten auf Fahrrädern werden auch auf zukünftigen Critical Mass’ willkommen sein und ich bin mir sicher, sowohl Bürger als auch Polizisten werden von unseren gemeinsamen Gesprächen profitieren.

Ich freue mich auf die nächste Critical Mass am 29. April 2011 und hoffe, dass der Polizeieinsatz nicht wieder dominierendes Thema sein wird.

Critical Mass Köln

Die Critical Mass endete wieder am Rudolfplatz

Ein gepflegtes Alkoholfreies unter den Fahrradbloggern rundete die schönste CM, die Köln je gesehen hatte, ab. ;-)

Links:

Marcos Beitrag

Simons Beitrag

Liste der Critical Mass

Critical Mass Köln

Critical Mass auf Wikipedia

Critical Mass bei Facebook

Verhaltensmaßregeln auf der CM

32 grüne Gründe

grüne Räder

Grüne Räder

Simon hat eines zuerst gesehen. 32 davon sollten in Köln stehen. Einige habe ich gefunden. Nun sind sie schon wieder weg. 32 grüne Fahrräder, 32 mal Reklame für eine der liebenswertesten Messen, die ich bisher besucht habe.

grüne Räder

Grüne Reklame für die Cycolonia

Vor gut einem Jahr gab es in Köln eine ganz neue Fahrradmesse: Die Cycolonia in den Räumen des Sport und Olympia Museums im Kölner Rheinauhafen. Die Vorankündigung machte mich neugierig. Initiator der Messe war Hartmut Fiebig. Im Rahmen der Long Distance Bikers Convention hatte ich in der Vergangenheit Gelegenheit, einem Ausschnitt seines aufregenden Vortrags über eine seiner Afrikafahrradreisen zu lauschen. Wenn die Messe nur halb so spannend werden würde wie die Vorträge der von ihm organisierten Convention, dann stünde mir ein erfülltes Wochenende bevor. Und ich wurde nicht enttäuscht.

grüne Räder

Auf dem Testparcours hatte ich unter fachkundiger Anleitung zum ersten Mal Gelegenheit, diverse Liegeräder zu fahren. Fernreiseradler berichteten mit fesselnden Vorträgen und Interviews von ihren faszinierenden Reisen und standen anschließend noch zum persönlichen Gespräch an ihren Ständen zur Verfügung. Selbst Organisationen wie ADFC und VCD hat Fiebig hinter’m Ofen vorgelockt und das Amt für Straßen und Verkehrstechnik der Stadt Köln stellte sich mit eigenem Stand den Fragen der Fahrradfahrer dieser Stadt und blieb wie gewohnt so manche Antwort schuldig. Auf dem Dach des Museums spielten verschiedene Bikepolomannschaften in einem Turnier gegeneinander. Und zu guter Letzt habe ich bei einem kleinen Aussteller endlich mein neues Fahrrad gefunden, das nach langer Suche weitestgehend meinen besonderen Ansprüchen gerecht wurde.

grüne Räder

Die Räumlichkeiten des Sport und Olympia Museums verliehen der ganzen Veranstaltung eine besondere, fast familiäre Atmosphäre. Ich verbrachte dort zwei angenehme Tage und selbst meine Freundin, die ich mit der IFMA hätte jagen können, konnte sich für den ein oder anderen Vortrag begeistern.

grüne Räder

Ich habe mich über die grünen Fahrräder diese Tage sehr gefreut, kündigen sie doch eine schon im letzten Jahr rundum gelungene Fahrradveranstaltung an und ich möchte mich den Worten Hartmut Fiebigs anschließen: Die CYCOLONIA ist zum Treffpunkt für Fahrradbegeisterte aus der gesamten Region geworden. Die CYCOLONIA zeigt, dass das Fahrrad nicht nur ein umweltfreundliches, sondern auch ein zukunftsträchtiges Verkehrsmittel ist.

grüne Räder

Köln im Cycoloniafieber ;-)

Nicht nur Bikepolo-Turniere fanden auf dem Dach statt: Auf Fixies konnte man seine Fahrkünste prüfen.

Fahrradpolo

Fahrradpolo auf der Cycolonia 2010

Außerdem konnten sich die Messegäste im Bikepolo versuchen. Die beiden Blogger Heiner und Simon (Bilder unten) wurden von den Fahrradkurieren des Bike Syndikats in die Kunst des Spiels eingewiesen. Und sie machten in ihrem ersten Bikepolo-Spiel eine gute Figur.

Fahrradpolo auf der Cycolonia 2010

Simon (unten links) und Heiner (unten rechts) beim Fahrradpolo auf der Cycolonia 2010

Alle weiteren Informationen über neue Events, Aussteller und Veranstaltungen gibt es auf der Homepage der Fahrradmesse:

www.cycolonia.de

am 19. und 20. März 2011

Kommt in die Gänge, ich freue mich, Euch dort zu sehen!

Sport und Olympia Museum

19. und 20. März im Sport und Olympia Museum

Was ich mir dieses Jahr wünsche ist, dass ich die Cycolonia mit dem Fahrrad erreichen kann. Leider ist die Drehbrücke, die Zufahrt zur Cycolonia, durch Zeichen 250, Verbot für Fahrzeuge aller Art, also auch für Fahrräder gesperrt. Und damit mein neues Fahrrad nicht unfreiwillig zu einem neuen Besitzer wechselt, wären bewachte Fahrradstellplätze großartig. – Schau’n wir mal! Noch ist Zeit ;-)

Vor allem aber wünsche ich mir, dass uns die Cycolonia lange erhalten bleibt.

Sonderbare Sonderrechte

Prinzen

So sind sie, die Prinzen

Irgendein Verwaltungsheld muss irgendjemandem irgendwann erlaubt haben, vor dem Pullman Hotel in der Magnusstraße Blumenkübel mit ca. drei Meter hohen Bäumen zwischen den benutzungspflichtigen Rad- und den Gehweg zu stellen. Ob da kommerzielle Interessen des Hotels im Spiel waren (sieht halt schicker aus), möchte ich mal dahin gestellt sein lassen. Dass das aber mit enormen Konflikten für den Radverkehr verbunden sein muss, kann sich selbst jeder minder begabte Verkehrsteilnehmer vorstellen, offensichtlich aber nicht die zuständigen Verwaltungsmitarbeiter.

Ich kann gar nicht mehr zählen, wie vielen Bürgern ich hier schon höflich habe erklären müssen, dass der Teil der Radverkehrsanlage, den sie benutzen, dem Radverkehr vorbehalten wäre und ob sie denn bitte Platz machen würden, damit ich meine Fahrt endlich fortsetzen könne. Manchmal klingel ich auch einfach nur! Ist der Radweg ausnahmsweise frei, sollte man unbedingt damit rechnen, dass hinter jedem der 13 Bäume plötzlich ein “Irgendwas” herausspringen kann. Meistens sind es Menschen, gelegentlich Hunde an der langen Leine, ich hatte auch schon mal eine Leiter, die sich in meinen Fahrtweg schob. Gut, dass wenigstens ich hier besonders vorausschauend fahre.

Seit 11.11. ist Karneval in Köln. Das Pullman Hotel scheint, neben einigen anderen Hotels, besonders für entsprechende Veranstaltungen geeignet zu sein. Jedenfalls stellen sich mit besagtem “Sessionsbeginn”  entsprechende Festivitäten mit zunehmender Frequenz dort ein. Das ist auch nicht weiter schlimm, sollen sie ihre Tollitäten, Jungfrauen, Bauern und Prinzen feiern bis zum Abwinken. Nur wenn “d’r Prinz kütt”, bringt er seinen ganzen Hofstaat in einer Flottille diverser Kleinbusse mit. Die, ob mit oder ohne Sondergenehmigung (ohne wäre auch kein Problem, sowas klüngelt man sich in Köln schon zurecht) im Halteverbot mehr oder weniger den ganzen Abend eine Fahrspur blockieren – auch nicht weiter aufregend. Nur für die Radfahrer bedeutet das eine Steigerung des “Gassenlaufs”, springen die “Irgendwas’” nicht mehr nur von rechts aus den Bäumen heraus, nein, nun auch von links aus den Türen der Kleinbusflottille  der Prinzen. Wer es dann noch wagt zu klingeln, kann Prinzen und Hofstaat einmal ordentlich pöbeln hören. Aber auch das ist alles nicht weiter schlimm, in Köln dauert der Karneval in der Regel nie länger als knapp fünf Monate.

Vor gut zwei Wochen musste ich nach getaner Arbeit besagte Stelle wieder einmal passieren. Zwei weitere Kleinbusse, neben dem Konvoi der “Tollitäten”, erschwerten diesmal meine Weiterfahrt. Das erste Fahrzeug (Es muss ein Brathähnchen-Caterer gewesen sein, auf dem Fahrzeug stand Höhner, das ist kölsch und heißt Hühner) parkte auf dem Gehweg rechts neben dem Radweg unmittelbar vor der Helenenstraße (siehe Bilder unten) und verhinderte entsprechende Sichtbeziehungen zwischen Radfahrern und ausfahrenden Kraftfahrzeugen. Autofahrer konnten den vorfahrtsberechtigten Radweg erst einsehen, nachdem sie schon vollständig auf demselben standen! Das zweite Fahrzeug parkte so auf dem Radweg, dass dort nicht vorbeizukommen war. Radfahrer mussten auf die Fahrbahn ausweichen. Die meisten wichen ordnungswidrig auf den Gehweg aus.

Aber diesmal geschah ein Wunder, in unmittelbarer Nähe tauchten zwei Politessen engelsgleich, wie aus dem Nichts, auf. Ich musste sie wegen der parkenden Fahrzeuge einfach ansprechen:

  • “Ja, deswegen haben wir den auch verwarnt.” (Den Radwegparker, nicht aber den Brathähnchen-Caterer)
  • “Aber das reicht doch nicht,” entgegnete ich, “die Straßenverkehrsbehörde hat mit der angeordneten Benutzungspflicht entschieden, dass es für Radfahrer hier auf der Fahrbahn zu gefährlich sei – bleiben sie doch bitte mal stehen” (Inzwischen hatten sich die Politessen entschieden, weiter zu gehen, ihre Ampel zeigte grün. Auf mein nachdrückliches bitte, inzwischen war ich etwas erregter, blieben sie dann doch widerwillig auf meiner Seite der Straße) – “Wo soll ich ihrer Meinung jetzt lang fahren?”, fügte ich ergänzend hinzu.
  • (Die beiden Damen zuckten mit den Schultern)
  • “Wollen sie die nicht wenigstens abschleppen lassen?”
  • “Die kommen bestimmt bald wieder, außerdem ist ja Karneval!”
  • “Ja und? – Seit wann gilt Karneval die Straßenverkehrsordnung (StVO) nicht mehr?”
  • “Das war schon immer so!” entgegnete eine der beiden Damen vollkommen unschuldig und mit einer keinen weiteren Widerspruch duldenden Selbstverständlichkeit. Sie hatte nicht den geringsten Zweifel an der Richtigkeit ihrer Aussage.
  • “Sie wollen mir doch nicht erzählen, dass Karneval die StVO nicht mehr gilt!?”
  • “Wir schleppen Karneval nicht ab, das ist eine Dienstanweisung.”

Das war’s.

Während ich meine Fotos machte, sprach mich besorgt eine Autofahrerin an, die hinter den “Höhnern” parkte, um ihnen einen Präsentkorb zu überreichen. Sie erklärte mir, verunsichert durch meine Absicht, dort zu fotografieren, dass ihr die Politessen sehr wohl gestattet hätten, dort zu parken, dass es nicht schlimm wäre, wenn sie an dieser Stelle lediglich auf die Höhner warten würde – auf dem Gehweg, mit ihrem Auto.

Wenn die Kölner Behörden weder willens noch in der Lage sind, Radwege vom ruhenden Verkehr freizuhalten, zwingt sich mir die Frage auf, warum sie immer noch so beharrlich an der “Benutzungspflicht” entsprechender Radwege festhalten.

Ruecksichtslos

Warum halten die Behörden so beharrlich an der Benutzungspflicht fest?

Auf meinem weiteren Heimweg habe ich die ganze Zeit an Orwells “Animal Farm” denken müssen: “Alle Tiere sind gleich. Aber manche [die Schweine] sind gleicher.” – Und mit Karneval wird ein Haufen Geld verdient.

Weitere Beispiele finden sich bei, z.B.: Holger’s Blog und MyBikeLane

Spikes oder ein “Schwalbe” macht noch keinen Sommer

Ein paar gibt es noch ...

Kaum Radverkehr im Dezember

Nur wenige Radfahrer zeigten sich im vergangenen Dezember auf den Kölner Straßen. Das verwundert nicht weiter, wurden doch trotz der extremen winterlichen Verhältnisse gerade mal die Fahrbahnen der Hauptverkehrsstraßen geräumt.

bevorzugt behandeltes Verkehrsmittel

Autos werden in Köln bevorzugt behandelt

Kölsche Lösung

Kölsche Lösung

Selbst Autofahrer mussten diesen Winter enorme Behinderungen durch die Unzulänglichkeiten der Verwaltung in Kauf nehmen. Wenn ich mich recht erinnere, tönten die verantwortlichen Betriebe im Lokalfernsehen noch eine Woche vor dem ersten Schneefall, dass sie aus den Fehlern des letzten Winters gelernt hätten. – Vielleicht hätten sie das Gelernte auch noch umsetzen müssen. Naja.

Es ist kein Geheimnis, dass Kölner Autofahrer den Anforderungen winterlicher Straßenverhältnisse nicht gewachsen sind. Sie hassen Lenken und vermeiden es zu bremsen – auf Radfahrer und Fußgänger wird keine Rücksicht genommen. So kam es, dass selbst das Benutzen der Fahrbahn für Radfahrer keine brauchbare Alternative bot.

Diesen Winter war ich so häufig wie noch nie mit öffentlichen Nahverkehrsmitteln unterwegs. Das wollte ich aber nicht: Ich musste aufrüsten und entschloss mich, Winterreifen für mein Fahrrad zu kaufen.

Kölsche Lösung

Ein vierzehnköpfiges Team Kölner Verkehrsexperten hat auf diesen Bildern zwei benutzungspflichtige Radwege versteckt. Wer findet sie?

Leichter gesagt, als getan. Überall waren die begehrten Spikes vergriffen und kurzfristig nicht lieferbar: “20 oder 24”?” war die Standardfrage, wenn ich mich nach Spikes erkundigte. Ein Berliner Versand versprach, Mitte Januar liefern zu können. Gut, habe ich gedacht, wenn sie dann kommen – Murphy’s Law – wird es wenigstens ab Mitte Januar nicht mehr schneien. ;-)

Die Zeit verging.

Hochwasser

Bei traumhaftem Sonnenschein "Hochwasser gucken" im Rheinpark, nicht nur mit dem Fahrrad

Hochwasser

Hochwasser

Hochwasser

Hochwasser

Wie zu erwarten, der Schnee war weg, der Rhein führte mittlerweile schon ein beachtliches Hochwasser, da erreichte mich ein mördergroßes Paket aus Berlin, meine neuen Winterreifen.

riesen Paket

Mördergroßes Paket aus Berlin mit Spikereifen

Spikereifen sollen ca. 50 km auf  Asphalt vorsichtig (kein heftiges Beschleunigen oder Bremsen) eingefahren werden, um die Spikes für optimalen Sitz in den Reifen zu drücken. Auf den Bildern unten sieht man recht gut, dass die Spikes noch unregelmäßig aus dem Profil heraus gucken.

Nun, es war eis- und schneefrei, wann sollte ich die Reifen einfahren, wenn nicht gleich? Also rauf damit.

Spikereifen

Spikereifen

Ich hatte mich für Nokian-Reifen aus Finnland entschieden, die mit je 160 Spikes für meine Bedürfnisse, laut Homepage des Händlers, die besten Eigenschaften haben sollen.

Schade, erst bei der Montage bemerkte ich, dass die Reifen keine Angabe für die Laufrichtung hatten. Erst nach einer weiteren Recherche im Internet habe ich in einem Forum, nicht aber auf der Händlerseite, einen entsprechenden Hinweis gefunden – bis jetzt weiß ich nicht, ob die Reifen wirklich richtig herum montiert sind. Auch der maximal angegebene Druck war mit 45 PSI etwa 3,1 Bar für mich zu niedrig. Bei Kurvenfahrt walkte der Reifen zur Seite. Mit ca. 4,5 Bar fährt er sich jetzt weitestgehend stabil. Keine Ahnung, ob ich durch den höheren Druck mit unangenehmen Konsequenzen zu rechnen habe.

Erst in der darauf folgenden Woche konnte ich den Berliner Radkomponentenversender telefonisch erreichen. Auch er konnte mir keine befriedigenden Antworten zu meinen Fragen, die Laufrichtung und den Druck betreffend, geben. Er verwies lediglich auf den Hersteller. - Mut zur Lücke.

Außerdem schade, dass Nokian seine Reifen nicht mit Reflexstreifen ausstattet. Das ist bei Schwalbe und Continental längst Standard [Edit, 03.02.11, 9:30: Hier war wohl Wunsch Vater des Gedanken. Bei Continental und Schwalbe sind Reflexstreifen nicht unbedingt Standard, auch wenn es so sein sollte. Wenigstens aber sollten deutsche Händler angesichts der Straßenverkehrszulassungsordnung Käufer über das Fehlen dieses Sicherheitsmerkmals ausdrücklich informieren]. Mein Händler hält es jedenfalls nicht für nötig, die Kunden auf diesen Missstand hinzuweisen, schließlich stünde in der Artikelbeschreibung nicht, dass einer vorhanden wäre. – Also, entsprechende Speichenreflektoren gleich mit bestellen.

Spikes und Regen

Spikes, Regen, Spikes am Seitenständer

Ansonsten halte ich den Nokian für einen guten Reifen. Ich habe ihn jetzt schon ca. 300 km! auf Asphalt “eingefahren”, ohne dass ich auch nur eine vereiste Pfütze touchiert habe. Bis jetzt ist mir kein Spike verloren gegangen.

Manchmal habe ich allerdings den Eindruck, auf dem Asphalt zu kleben und auch die Lautstärke der Spikes ist nicht jedermanns Sache. Aber immerhin hören mich Fußgänger auf Radwegen jetzt schon von weitem:

Hörprobe: Spikes auf Asphalt

Nicht, dass ich abergläubisch bin, aber der Gedanke, dass es nicht mehr ernsthaft schneien wird, seit ich die Winterreifen aufgezogen habe, lässt mich nicht mehr los und nur eines besänftigt mich: Die knapp achtzig Euro sind gut investiert, ersparen sie mir, d.h. uns, doch weiteren Schnee! ;-)

Spikereifen im Microschnee

Spikes im Schnee

… und damit ich mich nicht ganz so schlecht fühle, hat es die Tage hier 2,57 mm geschneit. Darauf fährt man im Übrigen sogar mit Slicks noch sicher. ;-)

_____________________________________________________

Heute morgen hat es sogar noch etwas mehr geschneit – der Schnee wird nicht liegen bleiben – aber ich hatte Gelegenheit, die Reifen ausgiebig zu testen. Großartig, sowohl auf ca. 2 cm frischem Schnee als auch auf einer festgefahrenen stark komprimierten Fahrbahnschicht war ich wie auf den viel gerühmten Schienen unterwegs.

Ein “Schwalbe”, ein “Continental” oder ein “Nokian” Spikereifen machen noch keinen Sommer. Trotzdem, Spikes bei winterlichen Straßenverhältnissen möchte ich jedem Radfahrer unbedingt nahelegen, handelt es sich doch um einen enormen Sicherheitsgewinn.

Überraschung in Köln: Schnee im Winter!

verschneite Radwege

Verschneite Radwege und geparkte Räder

Köln im Schnee. 24 Stunden nach dem letzten Schneefall waren weder die Radwege auf der Deutzer Brücke noch am Neumarkt, geschweige denn auf den Ringen geräumt, alles wichtige Radverkehrsverbindungen. Für den ein oder anderen Alltagsfahrer mag das eine Freude sein, darf er doch unter diesen Umständen die geräumte Fahrbahn benutzen. Viele ließen jedoch ihr Fahrrad lieber stehen. Die Wenigen, die sich die Schneefahrt zutrauten, fuhren mit deutlich verminderter Geschwindigkeit auf den nicht geräumten Radwegen. Nur einen Rennradfahrer habe ich am Neumarkt die Fahrbahn nutzen sehen.

Vor zehn Tagen ließen die Grünen in Sachsen-Anhalt die Forderung verlauten, bei Schnee erst die Radwege und dann die Fahrbahnen zu räumen, so wie in Kopenhagen bereits üblich und bewährt. Das macht allerdings auch nur dann Sinn, wenn die Radverkehrsanlagen von hoher Qualität sind, nicht so wie die meisten Bordsteinradwege in Deutschland, eher gefährlich für Leib und Leben. Trotzdem, Autofahrer und der Sprecher des Verkehrsministeriums, Harald Kreibich, reagierten mit Unverständnis und verwiesen auf so etwas wie eine daraus resultierende Erklärungsnot gegenüber Berufspendlern, die mit dem Auto mehr als 50 km zur Arbeit fahren müssten. – Von einer Erklärungsnot gegenüber Berufspendlern, die mit dem Fahrrad über 10 km zur Arbeit fahren, war nicht die Rede. Denn Behinderungen von Radfahrern werden wie selbstverständlich hingenommen und man mutet den Radfahrern zu, doch im Zweifel auf das Fahrrad zu verzichten. Zugunsten welchen Verkehrsmittels eigentlich? – Dem Auto? – Das Rad wird als konkurrenzfähiges Verkehrsmittel jedenfalls immer noch nicht wahrgenommen.

Gerade heute habe ich in den Statistiken meines Blogs die Suchbegriffe “radfahren im winter, verantwortungslos” gefunden. Das scheint gängige Autofahrermeinung zu sein: Radfahren im Winter ist verantwortungslos, Autofahren hingegen nicht. Dabei sind Autofahrer es, die mit unserem Leben verantwortungslos umgehen. Viele von ihnen sind den aktuellen Witterungsbedingungen mangels Erfahrung nicht gewachsen. Bremsen, beschleunigen und ausweichen sind Glücksache, wenn sie denn überhaupt etwas sehen durch ihre zugefrorenen und verschmierten Scheiben. Jedenfalls entspricht das meinen Beobachtungen: Je glatter die Fahrbahn ist, desto dichter werde ich als Radfahrer überholt. Bei mir als Fußgänger halten Fahrzeuge nicht an, selbst wenn ich auf einem Zebrastreifen schon längst die Fahrbahn betreten habe. Oder bezeichnend der Autofahrer, der mich letztes Jahr belehrte, nachdem er mich hupend und schimpfend auf schneeglatter Fahrbahn überholte. Ich habe ihn später gebeten, mir sein Verhalten zu erklären und er sagte, dass wenn ich so dicht vor ihm her fahren und auf der glatten Straße stürzen würde, könne er ja wohl nicht mehr rechtzeitig bremsen!? – Wenn das nicht verantwortungslos von mir ist, so dicht vor ihm herzufahren und auch noch bei Schnee! ;-)

Fakt ist, in Köln sind die Radwege nicht geräumt. Und so sollten eigentlich alle Radler auf der Fahrbahn fahren, damit der einzelne wahrgenommen wird. Machen sie aber nicht. Viele haben Angst. Ein Dilemma? – Vielleicht! – Es sei denn, man beginnt auf behördlicher Seite endlich damit, Kraftfahrzeugführer über ihre Pflichten und die Rechte der Radfahrer aufzuklären und sie darüber zu informieren, dass sie es sind, die Radfahrern gefährlich werden und sie verletzen oder gar töten könnten und nicht die Radfahrer die Autofahrer.

Das wäre doch, zumindest in Köln, eine lohnende Aufgabe für Velo 2010.

verschneite Radwege

Radfahrer auf Schleichfahrt

Eher verschwindet in Köln der Dom, bevor etwas Maßgebliches für den Radverkehr getan wird!

Eine liebenswerte Betrachtung zum Radfahren – auch im Schnee – habe ich von Walter Müller auf den Seiten des österreichischen ARGUS-Steiermark (die östereichische Fahrradlobby) gefunden: Semper et ubique. Lesenswert für alle, die auch schon eine gewisse atomare Verbundenheit fühlen.

radfahren im winter verantwortungslos

Kanal voll oder die Fahrradleichen von Lindenthal

Rautenstrauchkanal

Sanierung des Rautenstrauchkanals unter Beobachtung von Centauren, Nymphen und einer Teichralle

Im Kölner Stadtteil Lindenthal werden derzeit die unter Denkmalschutz stehenden Clarenbach- und Rautenstrauchkanäle saniert. Nach der schrittweisen Trockenlegung wurden im Rautenstrauchkanal die letzten Fische zur Umsiedlung abgefischt (oben), während im Clarenbachkanal mühsam allerlei Schrott aus dem Schlamm geborgen wurde (unten). Bei dem Schrott handelte es sich im Wesentlichen um Fahrräder verschiedenen Alters. In zwei Tagen haben die Arbeiter knapp 50 Räder allein aus dem Clarenbachkanal entfernt.

Clarenbachkanal

Verschiedene Fahrradleichen werden aus dem Clarenbachkanal geborgen

Clarenbachkanal

Räder bedeckt mit Schlamm, Moos und Schwamm

“Im Jahr 2009 wurden der Polizei Köln insgesamt 7.677 Fahrräder als gestohlen gemeldet.” heißt es auf den Seiten von Velo 2010 und “Die Aufklärungsquote im Bereich Fahrraddiebstahl sank im Jahr 2009 auf 5,93%.” – Fahrräder stellen augenscheinlich in unserer Gesellschaft keinen Wert dar. Ich nehme an, dass das der Grund ist, warum bei der Bergung keine Polizei zugegen war und die Räder ohne weitere Dokumentation direkt zur Schrottverwertung gebracht wurden. Schade, denn es ist nicht davon auszugehen, dass die Besitzer ihre Fahrräder selbst in den Gewässern entsorgt haben. Jetzt sind die Räder unwiederbringlich weg.

Cube Rahmen

Zumindest auf den ersten Blick tadelloser Cube Rahmen und von Schwamm befallenes Vorderrad

Kölner Vandalen sind nicht besonders kreativ, überwiegend schmeißen sie Fahrräder und Einkaufswagen in den Kanal.

Fahrrradleichen

Fahrrradleichen im Rautenstrauchkanal und Teichralle auf Einkaufswagen