Benutzungspflicht – Da staunt der Laie

Baustelle Severinsbrücke

Baustelle Severinsbrücke, Zeichen 239 Fußgänger kombiniert mit 1022-10 Radfahrer frei

Da soll noch mal einer sagen, dass sich das Amt für Straßen und Verkehrstechnik nicht mit modernen Radverkehrslösungen befasst. ;-) Zurzeit scheint es so, als dürften Radfahrer auf Teilen der Severinsbrücke und dem Deutzer Ring die Fahrbahn benutzen. Das Erstaunliche daran: Es handelt sich dabei um autobahnähnliche Straßen, auf denen zwar Tempo 50 vorgeschrieben ist, aber wer hält sich schon daran?

Radverkehr auf der Fahrbahn ist generell gut, taugt hier aber überhaupt nicht, der Verkehr ist zu schnell, die Fahrbahn für die gefahrenen Geschwindigkeiten zu eng und die Stelle zu unübersichtlich. Mangelndes Verständnis der Autofahrer würde zu Nötigungen führen. Das wäre die Hölle. :evil: Ich rate unbedingt davon ab, hier die Fahrbahn zu benutzen.

Wer sagt es nun der Behörde? ;-)

Baustelle Severinsbrücke

Baustelle Severinsbrücke, Zeichen 239 Fußgänger kombiniert mit 1022-10 Radfahrer frei

Paragraph 2 der Straßenverkehrs Ordnung (StVO) schreibt vor, dass Fahrzeuge, also auch Fahrräder, die Fahrbahn zu benutzen haben. Es sei denn, es ist durch die Zeichen 237, 240 und 241 eine Radwegbenutzungspflicht ausgeschildert. Auf der Severinsbrücke befindet sich normalerweise ein benutzungspflichtiger Radweg. Die Schilderkombination oben, Zeichen 239 Fußgänger und 1022-10 Radfahrer frei, lässt dem Radfahrer die Wahl, ob er entsprechend langsam, und unter besonderer Vorsicht Fußgängern gegenüber, den Gehweg benutzen oder er, wie es die StVO es verlangt, auf der Fahrbahn fahren will.

Sehr gut und nachvollziehbar hat das Bernd Sluka auf seiner Seite erklärt: Radwege, rechtlich. Dem ist nichts mehr hinzuzufügen.

Auch wenn ich mich wiederhole, rate ich trotzdem davon ab, an dieser Stelle die Fahrbahn zu benutzen, nicht alles, was so angeordnet wird, ist schlau. Wir sind doch keine Lemminge.

11 Antworten auf “Benutzungspflicht – Da staunt der Laie”

  1. Das ist doch eigentlich fast die Ideallösung. Angeordnet wird nicht, daß der Radfahrer auf der Fahrbahn fahren *muß*, aber er kann. Angeordnet wird nur, dass er, wenn er den Bürgersteig benutzt, auf Fußgänger Rücksicht nehmen muß.

    Da hat die Behörde einmal aufgepasst und keine Benutzungspflicht oder Vollsperrung angeordnet, und dann ist es auch wieder nicht recht?

  2. Sehr gut, Du kommst nach Köln, probierst es aus und ich dokumentiere das! ;-)

    Worum es mir eigentlich geht, ist dass Baustellenbeschilderung von den Behörden nicht kontrolliert werden. Diesen Fall habe ich gezeigt, weil er diesmal zumindest theoretisch den Autofahrern zum Nachteil gereicht. Es gibt tausend andere Straßen, auf denen Benutzungspflichten entwidmet gehören, auf denen es sinnvoll und wichtig wäre.
    Ich frage mich ohnehin, wozu diese Behörde gut ist, wenn sie nicht überprüft, was sie anordnet. Nicht eine Baustelle in Köln entspricht den Regeln und Anordnungen. Wenn ich normalerweise eine Baustelle anzeige, die den Radverkehr behindert (ich mache das persönlich) passiert sechs Wochen nichts und die entsprechenden Herren zucken lediglich mit den Schultern. Schauen wir mal, was jetzt hier passiert. Vielleicht schreibt der ein oder andere ja tatsächlich dem Amt. Es geht ja diesmal um Autofahrer.

  3. Ah – ok. So richtig klar ist (mir) das eigentliche Anliegen aus dem Artikel nicht geworden. Vor allem weil (mir) aus den Fotos weder Aufstellung oder Anordnung der Baustelle wirklich ersichtlich sind.

    Die Problematik mit den nicht kontrollierten Baustellen kenne ich natürlich.

  4. Ich bin jahrelang über die Mülheimer Brücke auf der Fahrbahn geradelt, durch den Rheinufertunnel nordwärts radle ich grundsätzlich, wenn früh Glatteis auf dem Radweg ist radle ich auf der B8 nach Leverkusen. Das schon seit fast 20 Jahren.
    Das Problem an der ganzen Sache ist nur, dass sich die restlichen 99% der Radfahrer das nicht trauen. Würden die auch die Fahrbahn benutzen wäre auch das Radeln auf der Fahrbahn der Severinsbrücke die selbstverstädlichste Sache der Welt.
    Das ist das einzigste Problem und nicht irgendeine autobahnähnliche Fahrbahn oder sonstwas.

  5. @siggi,

    du radelst durch den Rheinufertummer? Ich habe das auch mal ausprobiert und mir ist dabei das Herz in die Hose gerutzscht. Dort ist doch 70 Km/h erlaubt!

  6. Hallo Siggi, Du sprichst da ein echtes Dilemma an. Ich fahre gerade mal Rothgerberbach, Richtung Blaubach und von der Oper durch den halben Tunnel Richtung Cäcilienstraße. Und ganz klar schlägt da mein Herz schneller. Mülheimer Brücke würde vielleicht noch gehen, aber für den Rheinufertunnel habe ich ganz klar die Nerven nicht. Allerdings finde ich, sind das auch echte Highlights. Meinen Respekt vor Deinem Mut.

    Was wirklich schlimm ist, ist, dass ziemlich alle, sogar auf der seit Jahren freigegebenen Venloer Straße, lieber zwischen den Fußgängern, Lieferwagen und Waren rumeiern, anstatt bequem auf der Fahrbahn zu fahren, zumal die Venloer an besagten Stellen durchgehend Tempo 30 hat. Aber die Leute wissen es nicht besser und haben auch keinen Bedarf, dass zu ändern, weil keiner, der es könnte, ihnen richtiges Verhalten kommuniziert. Die Polizei ist nicht in der Lage, die wesentlichen Probleme zu bewältigen und z.B. den Damen und Herren im Amt für Straßen und Verkehrstechnik für ihre Versäumnisse mal tüchtig die Ohren lang zu ziehen. Stattdessen nerven sie mit den immer gleichen Wiederholungen der üblichen Ermahnungen, “Fahrt nicht ohne Licht”  und “Tragt ja einen Helm”. Die Stadt beschäftigt einen Fahrradbeauftragten, der ihre Unzulänglichkeiten schön redet, aber nicht wirklich etwas verändert. ADFC und VCD haben kein vernünftiges Konzept und trauen sich nicht, den Mund aufzumachen, um nicht in die Querulantenecke abgeschoben zu werden.

    In dem einen Teil der Venloer Straße hat sich das ohnehin erledigt, da sind Schutzstreifen schon beschlossene Sache. Schade, weil der Fahrradbeauftragte hier in die richtige Richtung experimentiert hat. Er hat Fahrradpiktogramme auf die Fahrbahn malen lassen, die ich als Radfahrer dahingehend benutzen konnte, dass ich den Unbelehrbaren mit einem Fingerzeig meine Anwesenheit auf der Fahrbahn erklären konnte. Leider sind diese viel zu klein und außerdem im Schwenkbereich der Türen parkender Fahrzeuge.

    Kontraproduktiv finde ich auf der Venloer auch das Verhalten des ADFC, der in dem Teil, westlich des Gürtels, weitere Schutzstreifen fordert. Dabei ist die Situation nahezu ideal: Schnelle selbstbewusste Fahrer können die Fahrbahn benutzen. Alte, unsichere und unwissende Fahrer bleiben vorerst auf dem “anderen Radweg”, und der Fahrradbeauftragte malt noch das ein oder andere Piktogramm auf die Fahrbahn, das rechtlich absolut keine Bedeutung hat, uns aber gegenüber jedem bisher Unbelehrbaren zur Nutzung der Fahrbahn legitimiert. Wenn dazu noch ADFC, VCD, die Stadt Köln, Velo2010  für ein paar Wochen noch regelmäßig Informationsveranstaltungen vor Ort und vor den Medien abhalten und Radfahrer über die sichere Benutzung von Fahrbahnen aufklären würden, wäre das ein großartiger erster Schritt.

    Heute zu fordern, dass Radfahrer sich bitteschön in verkehrstechnische Angsträume zu begeben haben, halte ich ohne weiteres nicht für durchsetzbar, geschweige denn für kommunizierbar.

    Ich finde gut, dass Du den Mut hast, an diesen, sagen wir unorthodoxen Stellen, für unsere Sache zu demonstrieren. ;-)

  7. @Highner
    Tempo 70 na und????
    Ich fahre auch im Sauerland, im Harz, imBergischen Land in den Alpen und und und Fahrrad. Da gibt es schmale, unübersichtliche, mehrspurige und auch Strassen die durch Tunnel führen. Dort sind meistens sogar 100 erlaubt und es gibt kein Massensterben der Radfahrer dort.

    @Arvo
    Genau diese Ängste werden immer wieder geschürt um Radfahrer von der Fahrbahn zu verbannen.
    Zu Radstreifen ist meine Meinung:
    Ein Fahrspur die Platz für einen regelkonformen Radstreifen hat muss so breit sein, dass sie dann auch schon wieder ohne auskommt. Daher gibt es bei Radstreifen eigentlich nur zwei Kategorien. Entweder illegal oder überflüssig.

  8. Also wenn schon auf die Regeln pochen, dann richtig:
    Ist auf der angesprochenen autobahnähnliches Straße 50 als Richtgeschwindigkeit vorgeschrieben? Durch welches Schild?
    Dann darf man da als Radfahrer ja grundsätzlich nicht fahren, wenn mich nicht alles täuscht. Wenn dann noch ein daneben verlaufender Radweg ersatzlos gestrichen wird, dürfen Fahrräder auf der Severinbrücke gar nicht mehr fahren – sondern müssen auf dem Fußweg geschoben werden. Oder sie nehmen das “nette” Zusatzeichen unter dem blauen Fußwegschild an und fahren entsprechend auf dem Fußweg.

    Aus einer fehlenden Benutzungspflicht eines Radwegs folgt nicht automatisch eine Straßenbenutzungserlaubnis!

  9. @ Konrad
    Tempo 50 ist die zulässige Höchstgeschwindigkeit. Da habe ich mich unklar ausgedrückt.

    @ Siggi

    Du hast vollkommen recht, was die Schutzstreifen und die Fahrbahnbenutzung angeht.
    Ich bin in Nordhessen groß geworden und dort gibt es bis heute nahezu keine straßenbegleitenden Radwege. Schon als Kind war ich dort auf Land- und Bundesstraßen unterwegs. Allerdings rechnen Autofahrer dort mit Radfahrern, nicht aber so im Rheinufertunnel oder hinter der Severinsbrücke auf dem Deutzer Ring. Fakt ist, selbst Highner, ich und sicher die meisten anderen Radfahrer auch, haben Angst dort zu fahren. Klar einer muss aufstehen und anfangen … Ich kann es dort nicht. Viel geholfen wäre uns allerdings, wenn alle die Fahrbahn auf den entsprechenden Teilen z.B. der Venloer Straße befahren würden. Wie gesagt, dass wäre ein Anfang und bis dahin werden es vorerst wenige bleiben, die den Autofahrern auch im Rheinufertunnel den Platz streitig machen.

  10. Ich bin vorhin (mit dem Auto) über die Severinsbrücke gefahren und finde die Beschilderung gar nicht verkehrt. Die rechte Fahrspur ist durch die Baustelle schmaler und es ist Tempo 40 angeordnet. Kann man mit dem Rad mit ein wenig Selbstbewußtsein bequem durch, ohne daß man abgedrängt wird, wenn man nicht grad rechts am Bauzaun fährt.

    Aber: es gibt selbstverständlich keine Absenkung des Bordsteins, d.h. man kommt vom Hochboard gar nicht runter, insofern war die Beschilderung so sicher nicht beabsichtigt, sondern das waren die einzigen, die die Bauarbeiter grad mit hatten ;-) .

  11. Ja, was denn nun?!

    Laut Autor des Artikel ist die ach so sichere und immer hoch gelobte Fahrbahn plötzlich doch nicht mehr so toll, warum auch immer.
    Dabei wurde hier genau das geschaffen, was die Fahrrad-Lobby andauernd fordert: keine Benutzungspflicht, aber Benutzungsrecht für den Radweg. Hier können doch jetzt alle wunderbar auf der von ihnen so heiß geliebten Fahrbahn fahren, sicher vor Rechtsabbiegeunfällen.

    Oder ist die Fahrbahn jetzt, wo man drauf fahren darf, plötzlich doch nicht mehr so sicher? Welch Überraschung!
    Aber so ist es ja immer mit denen, die in höchstem Maße Recht haben (wie z. B. ich): Ihnen wird nicht geglaubt und in etlichen Foren werden sie aus fadenscheinigen Gründen gesperrt. (@siggi weiß vermutlich teilweise, was ich meine)
    Man will ja die Verlogenheit der Welt um keinen Preis zugeben.

    Aber das passiert eben bei Abschaffung der Benutzungspflicht, und das war den verlogenen Fahrbahnradlern sehr wohl bewusst:
    Es geht dann eben nur noch Fahrbahn oder Schrittgeschwindigkeit!
    (Den bisherigen sicheren Radweg wollte man ja nicht mehr, weil “Radwege sind nicht sicher” und “Radfahren auf der Fahrbahn ist besser”)

    Ich kenne die Stelle nicht, aber nach allem, was ich bisher in Foren ertragen musste, schreibe ich nur noch:
    Was habt ihr denn? Ist doch perfekt, genau so wie ihr es wolltet!

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