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Wir sind der Verkehr!

Critical Mass Köln

Treffpunkt am Rudolfplatz, unter dem Hahnentor

Letzten Freitag trafen sich Kölner Radfahrer auf dem Rudolfplatz zu einer „Critical Mass“, die ihren Namen wirklich verdient hatte. Leute aller Couleur versammelten sich, um gemeinsam Rad zu fahren und um zu zeigen, dass wir alle Teil des Verkehrs sind. Gegen 18.00 Uhr ging es auf die Ringe, Richtung Ebertplatz.

Critical Mass Köln

Critical Mass in Köln

Es hat Spaß gemacht, wir waren alle gut gelaunt, für viele war es die erste Critical Mass (CM). Wir waren neugierig, stellten uns höflich unseren Nachbarfahrern vor und plauderten aus dem Nähkästchen. Freundlich wurden wir vom Gegenverkehr angehupt, die Menschen haben gewunken. Alles in allem eine tolle, friedliche Stimmung. Wie selbstverständlich stoppte die Critical Mass, um einem nicht vorfahrtberechtigten KVB-Bus Vorrang zu gewähren. – Über sechzig Radfahrer haben sich mit großer Freude erlaubt, sich den Verkehrsraum zu nehmen, der ihnen auch zusteht.

Critical Mass Köln

Critical Mass, erster unfreiwilliger Stopp

Am Ebertplatz sprach uns dann auch ein Motorradpolizist an, was wir denn hier machen würden. In Anbetracht der Großdemo am darauf folgenden Samstag war es für ihn klar: „Sie demonstrieren doch … gegen Atom“. Es war mir fast peinlich zu antworten, denn er hatte wirklich höflich gefragt und ich wollte nicht den Anschein erwecken, mich über ihn lustig zu machen: Wir fahren Fahrrad. – Sie demonstrieren doch hier? – Nein ehrlich, wir fahren gemeinsam Fahrrad. Jetz kam ich mir doof vor, muss ich mich jetzt rechtfertigen, weil ich mit anderen Fahrrad fahre? Jede Woche fahren laut hupende Hochzeitskorsos durch die Stadt und bei jedem größeren Fußballspiel legen motorisierte Fans unbehelligt die ganze Stadt lahm, weil die grölenden Horden uns demonstrieren wollen, dass sportlicher Erfolg etwas mit Alkohol und Hubraum zu tun hätte. – Zweierlei Maß!

Einen Augenblick habe ich mich geärgert, mich dann aber besonnen: Er hat gefragt, er war höflich und letzten Endes war es seine Aufgabe herauszufinden, ob von uns eine Bedrohung ausgehen könnte. Das war ja jetzt auch die erste ernstzunehmende Critical Mass in Köln, nicht nur für uns. Auf der Nord-Süd-Fahrt, Höhe Breslauer Platz, kam uns im Gegenverkehr ein Funkstreifenwagen entgegen. Mir wurde mulmig: Wenn der jetzt einen Unfall macht. – Nichts passiert. Prima.

Aber kurzum, unsere Critical Mass wurde zum ersten Mal gestoppt. Wir erklärten unser Anliegen, nämlich Fahrrad zu fahren, und der wortführende Polizist bot an, uns zu eskortieren. Wir hatten nichts dagegen. – Dass weder wir noch sie wussten, welchen Weg diese Critical Mass letzten Endes einschlagen würde, führte zu mindestens einer, sagen wir, unangenehmen Situation: Der vorausfahrende Funkstreifenwagen bog nach links Richtung Hauptbahnhof ab, während die CM geradeaus weiter fuhr. Und so leid es mir tut, das war komisch. Marco hat die Situation sehr pointiert in seinem lesenswerten Beitrag geschildert. Dem ist kaum noch etwas hinzuzufügen. Ich habe herzlich gelacht.

Critical Mass Köln

Der Kraftfahrzeugführer (links) hat leider das Thema verfehlt und wurde umgehend von der CM ausgeschlossen! 😉

Critical Mass Köln

Geschäftsidee: Critical-Mass-Leihräder gibt es leider nur als Fotomontage

Critical Mass

Critical Mass Köln, zweiter unfreiwilliger Stopp

Aber keiner mag das Gefühl, nicht ernst genommen zu werden. Am Offenbachplatz vor der Oper wurden wir wieder angehalten. Diesmal mit fünf Funkstreifenwagen, zwei Motorrädern, einem Fahrrad (Über den Fahrradpolizisten habe ich mich sehr gefreut) und nun auch für länger: Cirka 10 Minuten mussten wir warten, bis die Umstände geklärt waren, unter denen wir endlich weiter fahren durften.

In Zweier-Reihen, jetzt hatte der Zug eine beachtliche Länge erreicht, ging es teilweise unter der Nutzung von Sonderrechten weiter. Wir mussten an so gut wie keiner Ampel mehr halten und am Rudolfplatz durften wir an unüblicher Stelle links auf die Ringe abbiegen. Um ehrlich zu sein, wollten wir keine Sonderrechte, schließlich sind Radfahrer in der Lage – stimmen denn die Bedingungen –  sich an die Verkehrsregeln zu halten, aber: Des Menschen Wille ist sein Himmelreich. Die Polizei war uns gegenüber achtsam und umgekehrt wir ihnen.

Critical Mass Köln

Sicherheit für Radfahrer

Das wichtigste Argument für die Eskorte war unsere Sicherheit, nicht aber die anderer Verkehrsteilnehmer. Die Polizisten fuhren ihre Motorräder mit beachtlicher Geschwindigkeit auf Gehwegen und ordnungswidrig parkende Fahrzeuge, wie oben auf dem Schutzstreifen, wurden geflissentlich übersehen. Das hat mir nicht gefallen – nicht auszudenken, wenn durch den Polizeieinsatz etwas passiert wäre.

Schließlich gab es noch einen dritten Stopp – unsere Gruppe war mittlerweile auf die Hälfte geschrumpft – und man erklärte, dass die Eskorte uns nun, bis auf den Rad fahrenden Polizisten, verlassen würde, da sie bemerkt hätten, dass wir bisher verantwortungsvoll mit der Situation umgegangen seien. Das ist doch ein Erfolg.

An dieser Stelle möchte ich mich für den dennoch besonnenen Umgang der Polizei mit der Critical Mass bedanken. Auch wenn mich störte, dass wir immer wieder angehalten wurden und auf die Eskorte nicht verzichten konnten – es war einfach nicht schlimm, dass sie da waren. Im Gegenteil, so manchen Beamten haben wir im Gespräch auf den katastrophalen Umgang der Verkehrsbehörden mit dem Radverkehr aufmerksam machen können. Ich denke, Polizisten auf Fahrrädern werden auch auf zukünftigen Critical Mass‘ willkommen sein und ich bin mir sicher, sowohl Bürger als auch Polizisten werden von unseren gemeinsamen Gesprächen profitieren.

Ich freue mich auf die nächste Critical Mass am 29. April 2011 und hoffe, dass der Polizeieinsatz nicht wieder dominierendes Thema sein wird.

Critical Mass Köln

Die Critical Mass endete wieder am Rudolfplatz

Ein gepflegtes Alkoholfreies unter den Fahrradbloggern rundete die schönste CM, die Köln je gesehen hatte, ab. 😉

Links:

Marcos Beitrag

Simons Beitrag

Liste der Critical Mass

Critical Mass Köln

Critical Mass auf Wikipedia

Critical Mass bei Facebook

Verhaltensmaßregeln auf der CM