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Das Rad neu erfinden

aufgehobene Benutzungspflicht

Benutzungspflicht aufgehoben, das "Kölner Schild"

Am Montagabend sah ich zufällig im Nachrichtenblock der Lokalzeit Köln wie eine große Traube von Journalisten Klaus Harzendorf, den Amtsleiter für Straßen und Verkehrstechnik, umringte. Es ging wohl um Radverkehr: Grund für die Nachricht war ein neues Schild, das auf die Entwidmung des benutzungspflichtigen Radweges in der Krefelder Straße hinweist. Radfahrer können nun wählen, ob sie den alten jetzt sogenannten “anderen Radweg” nutzen möchten oder einfach die Fahrbahn.

Am Tag darauf konnte ich es in der Lokalpresse online lesen und war doch verwundert: Was uns Klaus Harzendorf in verschiedenen Interviews wohlwollend als Gefälligkeit der Stadt Köln verkaufen wollte, war nicht nur rechtlich lange überfällig, sondern gehörte schlichtweg zu seinen Pflichten.

Hintergrund ist die sogenannte Fahrradnovelle, eine Änderung der Straßenverkehrsordnung (StVO) aus dem Jahr 1997. Demnach dürfen Städte und Gemeinden eine Radwegbenutzungspflicht nur dort anordnen, wo die Anforderungen an die entsprechenden Verwaltungsvorschriften der StVO erfüllt werden und auch nur wenn aufgrund der besonderen örtlichen Verhältnisse eine Gefahrenlage besteht. Ende 2010 gab es dazu ein entsprechendes Verwaltungsgerichtsurteil (BVerwG 3 C 42.09), das es den Radfahrern erleichtern wird, dieses Recht auf Nicht-Benutzung auch einzuklagen.

Bislang haben nahezu alle Städte und Gemeinden – nicht nur Köln – diese besonderen Paragraphen und Verwaltungsvorschriften zugunsten von Radfahrern ignoriert. Das geht jetzt nicht mehr. Das Urteil und klagewillige Radfahrer nehmen die Städte und Gemeinden in die Pflicht.

Jürgen Möllers, Fahrradbeauftragter der Stadt Köln, hat die Zeichen erkannt und mit seinem Team dieses Aufsehen (vorausgesetzt, man sieht es ;-) ) erregende Schild (Bild oben) entwickelt. Für jeweils drei Monate soll das Schild in Zukunft Auto- und Radfahrer über die Aufhebung der Benutzungspflicht informieren. – Ein klitzekleiner Schritt für den Radverkehr, ein Riesenschritt für das Amt für Straßen und Verkehrstechnik (Bislang gingen ihre Fahrradfreundlichkeiten nicht über das Aufstellen von Abstellanlagen und das Malen von Linien am rechten Fahrbahnrand hinaus.). Über Sinn und Unsinn dieses Schildes kann man sicher lange streiten, aber immerhin setzt sich die Behörde endlich mit der langfristigen Entwidmung vieler Kölner Radwege auseinander und stellt sich damit der unerbittlichen Kritik unserer automobilen Gesellschaft. Nichtsdestotrotz und auch in Anbetracht meiner noch folgenden kritischen Anmerkungen halte ich diese Aktion für sehr mutig und lobenswert.

Alternativen

Alternativen - die erste Schilderkombination oben ist meiner Phantasie entsprungen ;-)

Um mir selbst ein Bild zu machen, bin ich in die Krefelder Straße gefahren und habe dort, wie nicht anders zu erwarten, die jetzt freigegebene Fahrbahn benutzt. Schade, bin ich doch innerhalb kürzester Zeit zweimal viel zu dicht überholt und abgedrängt worden, und augenscheinlich war ich der Einzige, der das Angebot, auf der Fahrbahn zu fahren, annahm. Das änderte sich auch die nächsten anderthalb Stunden nicht. Lediglich stadteinwärts verzichteten Radfahrer ab und an auf die Benutzung des Radweges, das hatte aber vor allem technische Gründe: Für einbiegende Radfahrer ist der Radweg schwer zu erreichen, und teilweise war der Radweg auch zuvor nicht benutzungspflichtig.

Jedenfalls habe ich mich gewundert, dass diese innovative Neuerung so überhaupt nicht angenommen wurde. Deswegen habe ich auf dem Radweg stadtauswärts fahrende Radfahrer gefragt, ob sie von der Aktion des Amtes für Straßen und Verkehrstechnik wissen und wenn ja, warum sie trotzdem nicht auf der Fahrbahn fahren. Den Zusammenschnitt der verschiedenen O-Töne kann man sich hier anhören:

Audiofile bitte anklicken:

O-Töne: Radfahrer auf der Krefelder Straße

Das Ergebnis war niederschmetternd. Wie eine junge Dame feststellte: Ihr Leben lang hätte man ihr eingetrichtert, den Radweg zu benutzen, weil es sicherer sei, warum solle sie jetzt auf der Fahrbahn fahren? Die Menschen haben Angst auf der Straße zwischen den Autos und LKW. Das kriegt man aus ihren Köpfen so ohne weiteres nicht heraus. Deswegen ist eine gute Aufklärung der Bürger durch alle Beteiligten viel viel wichtiger als das einfache Konfrontieren mit – für die meisten – unverständlichen Tatsachen und da muss auch ich meinen bisherigen Ansatz überdenken. Velo 2010, die Stadt Köln und die Polizei wären hier gefordert. Anstatt unsinnige Lichtaktionen zu zelebrieren – mangelnde technische Ausrüstung der Räder ist nur ein gefühltes Problem und in den wenigsten Fällen unfallträchtig – sollten sie ihren Infostand in die Krefelder Straße stellen und den Betroffenen erklären, warum sie jetzt die Fahrbahn benutzen dürfen und vor allem, dass Radfahrer auf der Fahrbahn sicherer unterwegs seien. Eine Maßnahme, die ich begrüßen und sogar tatkräftig unterstützen würde.

Aber man muss das Rad nicht neu erfinden. Aus dem Büro des Fahrradbeauftragten kam mal eine m.E. geniale und versuchsweise auch umgesetzte Idee: Fahrradpiktogramme auf der Fahrbahn der Venloer Straße in Köln-Ehrenfeld (unterstes Foto auf dem zweiten Bild, oben). Diese Zeichen auf der Straße haben zwar rechtlich keine Bedeutung, erinnern aber trotzdem jeden Fahrzeugführer daran, dass Radfahrer dort fahren dürfen und fahren werden. Aber die Ehrenfelder Bürger setzten auf Separierung. Ihrem Wunsch gemäß richtete man dort Schutzstreifen ein, die meiner Einschätzung nach hier, genauso wie in der Neusser Straße nicht funktionieren. Warum sich die Piktogramme gegen die Schutzstreifen nicht durchzusetzen vermochten, kann nur das Ergebnis mangelnder Kommunikation und Information sein. Meines Wissens hat die Ehrenfelder Bürger und Initiativen niemand über neue und andere verkehrstechnische Möglichkeiten informiert.

Piktogramme auf der Fahrbahn (in Zukunft vielleicht etwas größer) wären auf der Krefelder Straße für mich die erste Wahl gewesen, mit den beiden Vorteilen, dass die Piktogramme nach drei Monaten immer noch vorhanden wären, und dass sich sowohl Auto- als auch Radfahrer daran hätten orientieren können. Piktogramme sind wegen der einfachen Bildsprache leichter zu verstehen als das viel zu kleine “Kölner Schild”, dass im Schilderwald der Stadt sowieso untergeht und deshalb von den wenigsten Verkehrsteilnehmern wahrgenommen wird.

Idealerweise würde man solche Strecken als Fahrradstraßen ausweisen, aber soweit ist man in Köln noch nicht. Neben der Krefelder Straße denke ich dabei insbesondere an die Wälle, die als wichtige Nord-Süd-Verbindung nicht zu unterschätzen sind. Vielleicht würde das richtige Konzept sogar eine alternative Infrastruktur anziehen, Straßencafés, die von der Ruhe der leisen Verkehrsmittel profitieren, Bike-In-Imbisse  oder was der bewegte Radfahrer sich sonst noch alles so erträumt, denn träumen ist erlaubt … auch in Köln.

Krefelder Straße

Krefelder Straße

Links:

Sicherheit von Radwegen, ADFC NRW

ADFC Gütersloh: Radwege Info

Presse:

Ab sofort dürfen Radfahrer auch auf der Krefelder Straße fahren – Köln.de

Radler dürfen die Straße nutzen – Kölner Stadt-Anzeiger

Trotz Radweg: Radfahrer dürfen auch die Straße benutzen – Köln Nachrichten

Wahlfreiheit für Kölner Radfahrer – Kölnische Rundschau

Cycolonia – So war’s

Sonntag vor etwa zwei Wochen endete die zweite Cycolonia. Die liebenswerte Fahrradpublikumsmesse hatte weitaus mehr zu bieten, als ich hier darstellen kann. Ich habe schlichtweg nicht alles geschafft, denn ich hatte meine ganz persönlichen Schwerpunkte.  

  

zur Cycolonia

Anfahrt Cycolonia

Klein und unscheinbar wirkt das Olympiamuseum, betrachtet man es von Deutz aus. Neben den ganzen Neubauten ist es kaum noch wahrzunehmen. Das traumhafte Wetter lockte eher zum Ausflug als auf eine Messe. Doch ich wollte auf keinen Fall die Cycolonia versäumen. 

Cycolonia Banner

Cycolonia Banner

Wie zu erwarten hat das Büro des Fahrradbeauftragten es dieses Jahr wieder nicht geschafft, die Zufahrt über die Drehbrücke für Radfahrer freigeben zu lassen. Schade. Auch die Fahrradparkplätze waren rar und nicht bewacht. Allerdings präsentierten sich auf der Straße vor dem Olympiamuseum zahlreiche Aussteller, unter deren Augen wohl kaum ein Dieb schweres Gerät angewandt hätte. 

Eingangsbereich

Eingangsbereich

Cycolonia Testparcours

Cycolonia Testparcours

Hinter den Gebäuden stellten die Veranstalter einen Testparcours zur Verfügung, auf denen die Ausstellungsstücke auf einem kleinen Rundkurs direkt ausprobiert werden konnten. Was der Gesetzgeber bisher nicht geschafft hat: Hier war leider der Helm Pflicht, ob er passt oder nicht. ;-)  

Helmpflicht auf der Cycolonia

Helmpflicht auf der Cycolonia

Jürgen Roters, der Kölner Oberbürgermeister, übernahm die Schirmherrschaft der Cycolonia 2011 und glänzte durch Abwesenheit. Die Eröffnungsrede hielt Bürgermeister Manfred Wolf. Sicher eine Frage der Priorität. Es gibt Gerüchte, dass Roters seit den sogenannten Veedelstouren im Wahlkampf nie wieder auf einem Fahrrad gesichtet wurde. Die unmittelbar folgende Diskussionsrunde über Kölner Radverkehrspolitik hat auch Manfred Wolf nicht weiter interessiert. Nach fünf Minuten war er weg … 

Manfred Wolf, Kölner Bürgermeister

Kölner Bürgermeister Manfred Wolf

… obwohl es hätte spannend werden können: Stephan Behrendt (ADFC), Jürgen Möllers (Fahrradbeauftragter der Stadt Köln und Vorstandsteam VCD Köln), Hans-Georg Kleinmann (Fahrradsternfahrt Köln und Vorstandsteam VCD Köln) und Ralph Herbertz (Vorstandsteam VCD Köln) sollten laut Programm in einer lebendigen Diskussion Rede und Antwort stehen. Dass es nicht sehr kontrovers zugehen würde, war zu erwarten. Bis auf Stephan Behrendt kommen die anderen drei Teilnehmer, einschließlich des Fahrradbeauftragten, aus dem gleichen Haus, dem Vorstandsteam des Kölner VCD

Cycolonia Radverkehrspolitik

Von links nach rechts: Stephan Behrendt (ADFC), Jürgen Möllers (Fahrradbeauftragter), Hartmut Fiebig (Moderator, Cycolonia), Hans-Georg Kleinmann (Fahrradsternfahrt Köln), Ralph Herbertz (VCD)

Was mich insbesondere interessierte war, wie sich der Fahrradbeauftragte präsentieren wird, hatte ich seinerzeit große Hoffnung in sein Amt gesetzt. 

Die Kommunikation zwischen ihm und Menschen, die konkrete Vorstellungen von Radverkehr haben, hat sich in der Vergangenheit als schwierig dargestellt. Die Radverkehrssituation “schönzureden”, ist vielleicht bei seinem Amtsleiter, Klaus Harzendorf, willkommen,  für Alltagsradler allerdings ist das keine adäquate Lösung. Auf der Cycolonia stellte unser Fahrradbeauftragter sich und seine Aufgaben vor, nämlich “den schwierigen Spagat hinzubekommen zwischen Service, Öffentlichkeitsarbeit, was die Bürgerinnen und Bürger der Stadt wollen, was sie erwarten und das halt in der Verwaltung zu koordinieren, voran zu bringen und die entsprechenden Dienststellen und uns selber dazu zu bewegen immer mehr für den Radverkehr zu machen. Das ist so ungefähr das ganze Spektrum, was ein Fahrradbeauftragter abdeckt, d.h. Ansprechpartner letztendlich für alle Themen rund um Fahrrad fahren in Köln.” – Nichtsdestotrotz hat meiner Meinung nach der Fahrradbeauftragte eher Schwierigkeiten, den Spagat zu bewältigen zwischen der Kommunikation mit Bürgern, die ein Anliegen jenseits von “Straße fegen” haben und dem, was in der Verwaltung tatsächlich möglich ist, nämlich so gut wie nichts. Von der Umsetzung eines Bürgerbegehrens bzw. einer Mängelinformation bis zur Mängelbeseitigung will ich gar nicht reden. In der aktuellen “FahrRad” 01/2011 vom Kölner ADFC und in den Kölner Fahrradblogs sind einige dieser traurigen Beispiele nachzulesen.

Dabei kommuniziert Möllers keinen Unsinn, alles ist durchweg brauch- und nachvollziehbar, vorausgesetzt es wird nicht konkret. Dann geht plötzlich nichts mehr. Dann wird die Transparenz, die er neuerdings kommuniziert so blickdicht wie die Strumpfhose meiner Großmutter. 

Was nutzt unserer Stadt ein Fahrradbeauftragter, der zwar dem Leiter des Amts für Straßen und Verkehrstechnik gefällig ist, nicht aber dem Bürger? 

Zum Beispiel erscheint beinahe nach jeder aufgestellten Haarnadel (Kölner Fahrradabstellpfosten) eine Pressemeldung. – Allein durch das Bereitstellen von mehr Fahrradabstellanlagen wird Radfahren in Köln aber nicht sicherer. – Doch diese Pressemeldungen lesen sich so wunderbar und haben vor allem keine Konsequenzen für den Kraftfahrzeugverkehr.  :roll:  

Und auf Kölns Straßen sterben Fahrradfahrer. – 2010 über dreieinhalbmal soviel, im Verhältnis zu den Einwohnern, wie in der gleichen Zeit in Berlin. Stadt und Polizei sorgen bei der Veröffentlichung entsprechender Unfallzahlen dafür, dass der Verdacht nicht auf die Behörden und deren unzulängliche Radverkehrsanlagen fällt, im Zweifel sind die Radfahrer selber schuld: Sie tragen keinen Helm und fahren bei Rot über die Straße, schrieb der Kölner Stadtanzeiger nach der Veröffentlichung der Unfallzahlen durch die Polizei. 

Nachdenkliches

Flugblatt auf der Cycolonia: Bittere Wahrheit!

Damit wären wir beim nächsten Programmpunkt, der Verkehrssicherheitsberatung. Frank Regge vom Beleuchtungshersteller “Busch & Müller” sowie Polizeioberkommissar Joachim Schalke, Verkehrssicherheitsberatung und Prävention bei der Polizei Köln, teilten uns ihre Erfahrungen mit. 

Cycolonia Verkehrssicherheitsberatung

Cycolonia Verkehrssicherheitsberatung

Frank Regge stellte das Tagfahrlicht von “Busch & Müller” vor, dazu erklärte Herr Schalke auf Nachfrage, dass es zwar den ein oder anderen Polizisten gäbe, der froh wäre, wenn Radfahrer überhaupt ein funktionierendes Licht am Rad hätten und sei es nur Batteriebeleuchtung, man aber insbesondere bei Schwerpunktkontrollen davon ausgehen muss, dass Polizisten durchaus jede Form von unzulänglicher Beleuchtung kontrollieren und bei Beanstandungen ahnden würden. 

So ist das mit den Regeln. Und die Polizei hat da einen ganz klaren Auftrag. Obwohl eigentlich bekannt ist, dass unzulässige Beleuchtung seltenst unfallursächlich ist. Polizeihauptkommissar Karsten Witt, Leiter einer Polizeiwache in der Nähe von Lübeck, hat drei Jahre lang Fahrradunfälle analysiert und kam zu dem Schluss: “Das Fahren ohne Licht spiele für das Unfallgeschehen kaum eine Rolle, ‘das ist nur ein gefühltes Problem.’” (Lübecker Nachrichten-Online/Lokales vom 14.11.2010) 

Frank Regge ergänzte dann – und das wird leider sehr häufig vergessen – komme es doch einmal zu einem Unfall, bei dem die Beleuchtung vielleicht nur eine untergeordnete Rolle gespielt haben könnte, könnte ein eventueller Beleuchtungsmangel durchaus unabsehbare zivilrechtliche Konsequenzen nach sich ziehen. 

Leider hat Herr Schalke das leidige Helmthema nicht außen vor gelassen. Wohlwollend unterstelle ich ihm, dass es sich dabei um einen dienstlichen Auftrag handelte. Allerdings habe ich ihn selbst noch nie “oben ohne” gesehen – ist er wohl doch ein Überzeugungstäter? ;-) Jedenfalls hat er versucht, an einem Beispiel aus dem realen Kölner Unfallgeschehen zu belegen, wozu ein Helm in der Lage sein kann. Das gelang ihm immerhin durchaus sensibel und ohne erhobenen Zeigefinger. Und in dem genannten Fall mag der Helm seinen Träger tatsächlich auch vor schlimmeren Verletzungen bewahrt haben. 

Alles in allem überzeugte Polizeioberkommissar Schalke vor allem aber dadurch, die Gründe für das recht hohe Unfallgeschehen nicht alleine bei Radfahrern zu suchen. Anhand einer Unfallschwerpunktkarte und einer recht anschaulichen Grafik zum Prinzip Radweg verdeutlichte er, dass auch behördenseitig einiges durch intelligente Verkehrstechnik zur Unfallprävention getan werden könnte und hier der Bürger dringend gefordert sei, sein Anliegen der Politik und Verwaltung zuzutragen. 

Toplight Line Plus

Toplight Line Plus in der Batterieversion

Eine Neuheit stellte mir Frank Regge später an seinem Stand von “Busch & Müller” vor. Ende April kommt das Toplight Line Plus als Batterieversion auf den Markt. Das Rücklicht soll es in den Varianten Permanent und Senso geben. Genau das Richtige für meine Anhängerbox. Der Pressedienst Fahrrad hat es bereits vorgestellt. 

Kunst und Tuning

Kunst und Tuning

Die Designer vom Team Tentakulus, Oliver Bauer von Cycoholic und Eduard Maier von der Veloküche stellten in der Rubrik Kunst und Design ihre Arbeiten vor. 

Fahrraddesign

Team Tentakulus mit Moderator Hartmut Fiebig

Eduard Maier von der „Veloküche”

Eduard Maier von der „Veloküche”

Cool, vor der Messe führte Eduard Maier sein Tallbike vor. Paul und interessierte Besucher durften probesitzen- oder fahren. 

Velopolo, Bikepolo, Cyclepolo

Velopolo, Bikepolo, Cyclepolo

Auf dem Dach gab es wie im letzten Jahr ein spannendes Bikepolo-Turnier. Das schreit nach Mitmachen: In Köln scheint sich schon eine beachtenswerte Szene etabliert zu haben: Bikepolo Cologne

Velopolo, Bikepolo, Cyclepolo

Velopolo, Bikepolo, Cyclepolo

So schön ist dann ein Sieg beim Bikepolotournier

Gewonnen, alles freut sich.

180° auf der Cycolonia

180° auf der Cycolonia

Die Zweiradwerkstatt 180° präsentierte sich wieder am Eingang zur Cycolonia mit einem kostenlosen Reparaturservice. 

Auch wenn man meinen könnte, ich hätte diesmal viel zu meckern gehabt, ich hatte zwei wunderbare Tage auf einer nach wie vor liebenswerten Messe. Meiner Lobhudelei in “32 grüne Gründe” ist nur kaum noch etwas hinzuzufügen. Und meckern muss ich, wenn es radverkehrspolitisch wird und da hat uns die Cycolonia diesmal einiges geboten. Klar hätte es kontroverser sein können, aber die Messe wächst mit ihren Aufgaben. Immerhin stand der Fahrradbeauftragte, Jürgen Möllers, an beiden Tagen mehr oder weniger Rede und Antwort. Leider waren gleichzeitig nur wenige Blogger da, die das Angebot sicher gerne genutzt hätten. 

Hartmut Fiebig und seinem Team möchte ich an dieser Stelle für ein wunderbares Fahrradforum danken und bin neugierig, was sie uns im nächsten Jahr an Innovationen und Möglichkeiten präsentieren werden. 

Ramin Houchmand, Mitglied des Cycolonia Teams, stellte gegenüber dem Pressedienst Fahrrad fest: “Wir feiern das Fahrrad – vielen Dank an alle, die mit uns feiern!” 

Danke für das Fest!

Sonderbare Sonderrechte

Prinzen

So sind sie, die Prinzen

Irgendein Verwaltungsheld muss irgendjemandem irgendwann erlaubt haben, vor dem Pullman Hotel in der Magnusstraße Blumenkübel mit ca. drei Meter hohen Bäumen zwischen den benutzungspflichtigen Rad- und den Gehweg zu stellen. Ob da kommerzielle Interessen des Hotels im Spiel waren (sieht halt schicker aus), möchte ich mal dahin gestellt sein lassen. Dass das aber mit enormen Konflikten für den Radverkehr verbunden sein muss, kann sich selbst jeder minder begabte Verkehrsteilnehmer vorstellen, offensichtlich aber nicht die zuständigen Verwaltungsmitarbeiter.

Ich kann gar nicht mehr zählen, wie vielen Bürgern ich hier schon höflich habe erklären müssen, dass der Teil der Radverkehrsanlage, den sie benutzen, dem Radverkehr vorbehalten wäre und ob sie denn bitte Platz machen würden, damit ich meine Fahrt endlich fortsetzen könne. Manchmal klingel ich auch einfach nur! Ist der Radweg ausnahmsweise frei, sollte man unbedingt damit rechnen, dass hinter jedem der 13 Bäume plötzlich ein “Irgendwas” herausspringen kann. Meistens sind es Menschen, gelegentlich Hunde an der langen Leine, ich hatte auch schon mal eine Leiter, die sich in meinen Fahrtweg schob. Gut, dass wenigstens ich hier besonders vorausschauend fahre.

Seit 11.11. ist Karneval in Köln. Das Pullman Hotel scheint, neben einigen anderen Hotels, besonders für entsprechende Veranstaltungen geeignet zu sein. Jedenfalls stellen sich mit besagtem “Sessionsbeginn”  entsprechende Festivitäten mit zunehmender Frequenz dort ein. Das ist auch nicht weiter schlimm, sollen sie ihre Tollitäten, Jungfrauen, Bauern und Prinzen feiern bis zum Abwinken. Nur wenn “d’r Prinz kütt”, bringt er seinen ganzen Hofstaat in einer Flottille diverser Kleinbusse mit. Die, ob mit oder ohne Sondergenehmigung (ohne wäre auch kein Problem, sowas klüngelt man sich in Köln schon zurecht) im Halteverbot mehr oder weniger den ganzen Abend eine Fahrspur blockieren – auch nicht weiter aufregend. Nur für die Radfahrer bedeutet das eine Steigerung des “Gassenlaufs”, springen die “Irgendwas’” nicht mehr nur von rechts aus den Bäumen heraus, nein, nun auch von links aus den Türen der Kleinbusflottille  der Prinzen. Wer es dann noch wagt zu klingeln, kann Prinzen und Hofstaat einmal ordentlich pöbeln hören. Aber auch das ist alles nicht weiter schlimm, in Köln dauert der Karneval in der Regel nie länger als knapp fünf Monate.

Vor gut zwei Wochen musste ich nach getaner Arbeit besagte Stelle wieder einmal passieren. Zwei weitere Kleinbusse, neben dem Konvoi der “Tollitäten”, erschwerten diesmal meine Weiterfahrt. Das erste Fahrzeug (Es muss ein Brathähnchen-Caterer gewesen sein, auf dem Fahrzeug stand Höhner, das ist kölsch und heißt Hühner) parkte auf dem Gehweg rechts neben dem Radweg unmittelbar vor der Helenenstraße (siehe Bilder unten) und verhinderte entsprechende Sichtbeziehungen zwischen Radfahrern und ausfahrenden Kraftfahrzeugen. Autofahrer konnten den vorfahrtsberechtigten Radweg erst einsehen, nachdem sie schon vollständig auf demselben standen! Das zweite Fahrzeug parkte so auf dem Radweg, dass dort nicht vorbeizukommen war. Radfahrer mussten auf die Fahrbahn ausweichen. Die meisten wichen ordnungswidrig auf den Gehweg aus.

Aber diesmal geschah ein Wunder, in unmittelbarer Nähe tauchten zwei Politessen engelsgleich, wie aus dem Nichts, auf. Ich musste sie wegen der parkenden Fahrzeuge einfach ansprechen:

  • “Ja, deswegen haben wir den auch verwarnt.” (Den Radwegparker, nicht aber den Brathähnchen-Caterer)
  • “Aber das reicht doch nicht,” entgegnete ich, “die Straßenverkehrsbehörde hat mit der angeordneten Benutzungspflicht entschieden, dass es für Radfahrer hier auf der Fahrbahn zu gefährlich sei – bleiben sie doch bitte mal stehen” (Inzwischen hatten sich die Politessen entschieden, weiter zu gehen, ihre Ampel zeigte grün. Auf mein nachdrückliches bitte, inzwischen war ich etwas erregter, blieben sie dann doch widerwillig auf meiner Seite der Straße) – “Wo soll ich ihrer Meinung jetzt lang fahren?”, fügte ich ergänzend hinzu.
  • (Die beiden Damen zuckten mit den Schultern)
  • “Wollen sie die nicht wenigstens abschleppen lassen?”
  • “Die kommen bestimmt bald wieder, außerdem ist ja Karneval!”
  • “Ja und? – Seit wann gilt Karneval die Straßenverkehrsordnung (StVO) nicht mehr?”
  • “Das war schon immer so!” entgegnete eine der beiden Damen vollkommen unschuldig und mit einer keinen weiteren Widerspruch duldenden Selbstverständlichkeit. Sie hatte nicht den geringsten Zweifel an der Richtigkeit ihrer Aussage.
  • “Sie wollen mir doch nicht erzählen, dass Karneval die StVO nicht mehr gilt!?”
  • “Wir schleppen Karneval nicht ab, das ist eine Dienstanweisung.”

Das war’s.

Während ich meine Fotos machte, sprach mich besorgt eine Autofahrerin an, die hinter den “Höhnern” parkte, um ihnen einen Präsentkorb zu überreichen. Sie erklärte mir, verunsichert durch meine Absicht, dort zu fotografieren, dass ihr die Politessen sehr wohl gestattet hätten, dort zu parken, dass es nicht schlimm wäre, wenn sie an dieser Stelle lediglich auf die Höhner warten würde – auf dem Gehweg, mit ihrem Auto.

Wenn die Kölner Behörden weder willens noch in der Lage sind, Radwege vom ruhenden Verkehr freizuhalten, zwingt sich mir die Frage auf, warum sie immer noch so beharrlich an der “Benutzungspflicht” entsprechender Radwege festhalten.

Ruecksichtslos

Warum halten die Behörden so beharrlich an der Benutzungspflicht fest?

Auf meinem weiteren Heimweg habe ich die ganze Zeit an Orwells “Animal Farm” denken müssen: “Alle Tiere sind gleich. Aber manche [die Schweine] sind gleicher.” – Und mit Karneval wird ein Haufen Geld verdient.

Weitere Beispiele finden sich bei, z.B.: Holger’s Blog und MyBikeLane

Überraschung in Köln: Schnee im Winter!

verschneite Radwege

Verschneite Radwege und geparkte Räder

Köln im Schnee. 24 Stunden nach dem letzten Schneefall waren weder die Radwege auf der Deutzer Brücke noch am Neumarkt, geschweige denn auf den Ringen geräumt, alles wichtige Radverkehrsverbindungen. Für den ein oder anderen Alltagsfahrer mag das eine Freude sein, darf er doch unter diesen Umständen die geräumte Fahrbahn benutzen. Viele ließen jedoch ihr Fahrrad lieber stehen. Die Wenigen, die sich die Schneefahrt zutrauten, fuhren mit deutlich verminderter Geschwindigkeit auf den nicht geräumten Radwegen. Nur einen Rennradfahrer habe ich am Neumarkt die Fahrbahn nutzen sehen.

Vor zehn Tagen ließen die Grünen in Sachsen-Anhalt die Forderung verlauten, bei Schnee erst die Radwege und dann die Fahrbahnen zu räumen, so wie in Kopenhagen bereits üblich und bewährt. Das macht allerdings auch nur dann Sinn, wenn die Radverkehrsanlagen von hoher Qualität sind, nicht so wie die meisten Bordsteinradwege in Deutschland, eher gefährlich für Leib und Leben. Trotzdem, Autofahrer und der Sprecher des Verkehrsministeriums, Harald Kreibich, reagierten mit Unverständnis und verwiesen auf so etwas wie eine daraus resultierende Erklärungsnot gegenüber Berufspendlern, die mit dem Auto mehr als 50 km zur Arbeit fahren müssten. – Von einer Erklärungsnot gegenüber Berufspendlern, die mit dem Fahrrad über 10 km zur Arbeit fahren, war nicht die Rede. Denn Behinderungen von Radfahrern werden wie selbstverständlich hingenommen und man mutet den Radfahrern zu, doch im Zweifel auf das Fahrrad zu verzichten. Zugunsten welchen Verkehrsmittels eigentlich? – Dem Auto? – Das Rad wird als konkurrenzfähiges Verkehrsmittel jedenfalls immer noch nicht wahrgenommen.

Gerade heute habe ich in den Statistiken meines Blogs die Suchbegriffe “radfahren im winter, verantwortungslos” gefunden. Das scheint gängige Autofahrermeinung zu sein: Radfahren im Winter ist verantwortungslos, Autofahren hingegen nicht. Dabei sind Autofahrer es, die mit unserem Leben verantwortungslos umgehen. Viele von ihnen sind den aktuellen Witterungsbedingungen mangels Erfahrung nicht gewachsen. Bremsen, beschleunigen und ausweichen sind Glücksache, wenn sie denn überhaupt etwas sehen durch ihre zugefrorenen und verschmierten Scheiben. Jedenfalls entspricht das meinen Beobachtungen: Je glatter die Fahrbahn ist, desto dichter werde ich als Radfahrer überholt. Bei mir als Fußgänger halten Fahrzeuge nicht an, selbst wenn ich auf einem Zebrastreifen schon längst die Fahrbahn betreten habe. Oder bezeichnend der Autofahrer, der mich letztes Jahr belehrte, nachdem er mich hupend und schimpfend auf schneeglatter Fahrbahn überholte. Ich habe ihn später gebeten, mir sein Verhalten zu erklären und er sagte, dass wenn ich so dicht vor ihm her fahren und auf der glatten Straße stürzen würde, könne er ja wohl nicht mehr rechtzeitig bremsen!? – Wenn das nicht verantwortungslos von mir ist, so dicht vor ihm herzufahren und auch noch bei Schnee! ;-)

Fakt ist, in Köln sind die Radwege nicht geräumt. Und so sollten eigentlich alle Radler auf der Fahrbahn fahren, damit der einzelne wahrgenommen wird. Machen sie aber nicht. Viele haben Angst. Ein Dilemma? – Vielleicht! – Es sei denn, man beginnt auf behördlicher Seite endlich damit, Kraftfahrzeugführer über ihre Pflichten und die Rechte der Radfahrer aufzuklären und sie darüber zu informieren, dass sie es sind, die Radfahrern gefährlich werden und sie verletzen oder gar töten könnten und nicht die Radfahrer die Autofahrer.

Das wäre doch, zumindest in Köln, eine lohnende Aufgabe für Velo 2010.

verschneite Radwege

Radfahrer auf Schleichfahrt

Eher verschwindet in Köln der Dom, bevor etwas Maßgebliches für den Radverkehr getan wird!

Eine liebenswerte Betrachtung zum Radfahren – auch im Schnee – habe ich von Walter Müller auf den Seiten des österreichischen ARGUS-Steiermark (die östereichische Fahrradlobby) gefunden: Semper et ubique. Lesenswert für alle, die auch schon eine gewisse atomare Verbundenheit fühlen.

radfahren im winter verantwortungslos

Welches Zeicherl hätten’s denn gern?

Blanko-Schilder

Blanko-Schilder, kein Photoshop, vielleicht eine Erfindung Kölner Verkehrsbehörden

Am 03.03.2009 stürzte in Köln das Historische Stadtarchiv ein. Beim Amt für Straßen und Verkehrstechnik hat man blitzschnell reagiert: Knapp zwei Monate später wurde eine wenig attraktive Umleitung für Radfahrer eingerichtet. Aber immerhin.

Das war dem Fahrradbeauftragten eine News in der Rubrik “Alle Meldungen zum Radverkehr 1 wert: “Severinstraße auch für Radfahrer wieder besser erreichbar“. – Mit ausreichend guten Meldungen feiert man sich dort nämlich gerne selber.

Keine Meldung war dem Fahrradbeauftragten die Aufhebung dieser Umleitung 2 wert, hätte Radfahrern zwar geholfen und wäre auch eine Meldung zum Radverkehr, aber damit kann man sich nicht feiern. Anstatt Zeichen 1022-10 “Radfahrer frei” sieht man dort jetzt nichts, bzw. leere Schilder und schon gar keinen Hinweis auf eine geänderte Verkehrsführung.

Kurios, sollen die Radfahrer die weißgebliebenen Schilder jetzt selber ausfüllen, weil sie die einzigen sind, die sich mit Radverkehr auskennen? – Das wäre doch toll. Sind die Schilder vom Wetter ausgeblichen worden? Schaft man auf den Platzhaltern Raum für Tags von frustrierten Graffitikünstlern? Wie auch immer, die meisten Radler sind von den Blanko-Schildern so irritiert, dass sie, trotz Verbot, verkehrt herum in die Einbahnstraßen einfahren. Dort fahren jetzt mehr Radfahrer in die “falsche Richtung” (entgegen der Einbahn), als Kraftfahrzeuge in die richtige. Zumindest konnte ich das beobachten, während ich die Fotos machte.

Weil die Herren der Schilder selbst nicht an ihre Anordnungen glauben, hat man die Warnung, Zeichen 138 “Radfahrer kreuzen” und Zusatzzeichen 1000-31 “beide Richtungen”, vor entgegenkommenden Radfahrern auch lieber stehen gelassen (viertes Foto von unten). Muss ja nicht richtig sein, man weiß ja, was gemeint ist. – Mäht nix.

Solange Behörden den Radverkehr nicht ernst nehmen, darf sich niemand wundern, dass Radfahrer die Regeln der Behörden nicht ernst nehmen und ernst nehmen werden. Diese Regeln versteht ohnehin kein Mensch.

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1 Zur Information für Opera-User: Die Seiten der Stadt Köln werden mit dem Opera-Browser nicht korrekt dargestellt. – Internet kann man bei der Stadt Köln offensichtlich genauso gut, wie Radverkehr.

2 Besser allerdings wäre es gewesen, die Öffnung der Einbahnstraßen nicht aufzuheben, sondern vorher schon über die Mathiasstraße und dann das Sionstal in die Südstadt fortzuführen. Aber das hätte Parkplätze gekostet. – Also keine Aufgabe für das Büro des Fahrradbeauftragten.


Helden der Arbeit

Fahrradstadt Köln

Fahrradstadt Köln?

Köln hat ein ernsthaftes Imageproblem, was den Radverkehr angeht.

Im Amt für Straßen und Verkehrstechnik gibt es eine Abteilung, die sich vornehmlich mit der Planung von Radverkehrsanlagen und der Darstellung der Stadt Köln in Sachen Radverkehr beschäftigt. Diese Abteilung ist allgemein als das Büro des Fahrradbeauftragten, Jürgen Möllers, bekannt.

Tatsächlich scheint es ihm auch zu gelingen, sich und seine Arbeit vor diversen Gremien und den politischen Parteien positiv zu verkaufen. Mit den Radfahrern der Stadt hat er jedoch offensichtlich ein Kommunikationsproblem (Blog Medienecken 1, 2, Laufis Blog, Simons Blog, Heiners Blog). Tiefer gehende Fragen und Probleme werden entweder gar nicht, höchstens aber nur unzureichend beantwortet bzw. beseitigt, wie alleine schon in den genannten Blogs zu lesen ist.

Wie auch immer, es gibt ja noch seine Planer. Wenn ich Herrn Möllers bisher richtig verstanden habe, beschäftigen diese sich mit allen aktuell im Bau befindlichen und zukünftigen Radverkehrsanlagen, verkehrsberuhigten- und Tempo-30-Zonen.

Diese Anlage, Cäcilienstraße, Ecke Cäcilienkloster, ist im letzten Winter fertig gestellt worden:

Helden der Arbeit

Helden der Arbeit

Wie lange plant man so etwas im Fahrradbüro? – Monate, Jahre?

Da scheint die Behindertenbeauftragte ihren Job besser zu verstehen als unser Fahrradbeauftragter. Oben sieht man die ordentlich verlegten “Blindensteine”, die zwar verhindern sollen, dass sehbehinderte Menschen unkontrolliert auf die Fahrbahn, nicht aber auf den Radweg laufen – vielen Dank dafür. Immerhin geht man davon aus, dass Radfahrer für andere Menschen bremsen, Autofahrer aber nicht! Ansonsten könnte die gute Behinderteninfrastruktur ja auch für Radfahrer mal wichtig werden, betrachtet man 20 Meter weiter folgende Anlage:

Baustelle in der Caecilienstrasse

Ehemalige Baustellenbeschilderung auf der Cäcilienstraße

Schlimm genug, dass der Radverkehr an der ehemaligen Baustelle nicht einen Tag ordentlich gesichert war – ungeachtet von Polizei und den vielen Behördenvertretern, die in den vielen Monaten mit absoluter Sicherheit an dieser zentralen Stelle vorbeigekommen sein mussten, einschließlich der Mitarbeiter unseres Fahrrad-beauftragten. – Offensichtlich besteht von offizieller Seite kein Interesse, die Situation für Radfahrer zu verbessern!

Einfahrt Tiefgarage Cäcilienstraße

Einfahrt neue Tiefgarage Cäcilienstraße

Viel schlimmer wiegt, dass die Ausführung des neuen Radwegs nicht im Geringsten den aktuellen Ansprüchen an sichere Radverkehrsanlagen entspricht, unabhängig davon, dass Bordsteinradwege sowieso nicht mehr Stand der Technik sind. Dort, wo die Kraftfahrzeuge den Radweg kreuzen, ist er durch helle Streifen aufgelockert, die den Radverkehr optisch bremsen und dem Pkw-Verkehr eine freie Durchfahrt, vielleicht sogar Vorrang suggerieren. Nicht nur, dass der Radweg nicht geradlinig, sondern stark und unnötig verschwenkt ist, durch Bäume, parkende Autos und den parallel verlaufenden Radweg zum Fahrstreifen ist es nicht möglich, für den Pkw-Fahrer entsprechende Sichtbeziehungen herzustellen. Was soll das? Hat man aus der grauenhaften Parkplatzzufahrt des wenige Meter entfernten Kaufhofs nichts gelernt? Dort gibt es bis heute nahezu minütlich Konflikte zwischen den einfahrenden Autos und dem kreuzenden Radverkehr. Die Baustelle hingegen hat gezeigt, dass trotz hoher Verkehrsdichte sogar ein Befahren der Fahrbahn durch den Radverkehr über mehrere Monate möglich war.

Bei soviel Ignoranz ist es schwer vorstellbar, dass sich die Autostadt Köln jemals auch nur annähernd fahrradfreundlich entwickeln wird! Und darum, Leute, wehrt euch gegen diese Missstände und kommuniziert den Behörden und der Politik, was auch immer euch nicht passt! – Zeigt euch und fahrt Rad, wann immer es sich ergibt!

Fahrradstadt Köln

Autostadt Köln!

Sterngefahren – Die 3. Kölner Fahrradsternfahrt

Fahrradsternfahrt Köln 2010

Fahrradsternfahrt Köln 2010

Perfektes Fahrradwetter, viele gut gelaunte Menschen auf bunten und verschiedensten Fahrrädern: Fahrräder aus Aluminium, Stahl und/oder Carbon, zum Liegen, zum Sitzen, heraus-geputzt, verrostet, groß, klein, Leichtlauf- oder Lastenrad, gebastelt, gekauft, mit kleinen oder mit großen Rädern, verkleidet, drahtig, alt, neu, schwer, leicht, bunt, farbig, schwarz, weiß, konservativ, cool, kultig oder modern. Ein facettenreicher Mix aus individuellen Menschen, mit ihren individuellen Rädern. Toll!

Ideale Voraussetzungen also, um in Köln gemeinsam eine Fahrradsternfahrt zu zelebrieren und sich über die verschiedensten Themen auszutauschen und zu fachsimpeln: Wie schwer, wie leicht, wie teuer? Schwitzt man unter der Vollverkleidung nicht furchtbar? Ach, Merinowolle hilft da? Warum darf man auf dem Prana niemanden mitnehmen? Kommst Du auch auf die Critical Mass? Darf man hier tatsächlich nicht weiter fahren? Wann muss ich nochmal den Radweg benutzen? “Ich heiße Arne und blogge ‘radgefahren’” – “Weiß ich … ich bin doch Holger … aus Bergisch-Gladbach und blogge auch!” – Themen gab es ohne Unterlass und wer wollte, ist einfach nur dahin gerollt und hat das schöne Wetter und die Sicherheit der großen Gruppe genossen. Von der Polizei vor verunsicherten Autofahrern beschützt, durften wir auf den guten, gepflegten und sicheren Fahrbahnen dahingleiten, nachdem wir unseren Polizisten noch freundlich darauf hinweisen mussten, wie wichtig es für unsere Demonstration ist, die Fahrbahn benutzen zu dürfen. Er hat unser Anliegen verstanden und ich danke ihm dafür, dass er trotz seiner Vorbehalte unsere Wünsche berücksichtigt hat. Ich habe schon so viele sture Polizisten erlebt, dieser war eine positive Ausnahme und ich habe mir nicht mal seinen Namen gemerkt. Alles in allem hat die Polizei auch dieses Jahr wieder dafür gesorgt, dass alle wohlbehalten ihr Ziel erreicht haben. Und ich träume von einer Welt in der man die Fahrbahn benutzen darf, ohne die Hilfe zweier und später unzähliger motorisierter Polizisten in Anspruch nehmen zu müssen. Überhaupt hat sich die Polizei eine gute Möglichkeit entgehen lassen, sich mit den Radfahrern auszutauschen. Nicht ein Fahrradpolizist hat sich auf der Sternfahrt gezeigt. Ich weiß, dass so was gut ankommen würde. Viele Bürger und leider auch Polizisten sind in Sachen Radverkehr so rechtsunsicher, dass man hier hätte viel von einander lernen können. Die Polizei wäre den Bürgern weitaus näher gewesen, als mit dem kargen Pavillon auf der Abschlussveranstaltung am Neumarkt. Die Strecken sind so gewählt, dass sogar Verkehrsdirektoren und Polizeipräsidenten ihre Freude daran gehabt hätten. Das Gleiche gilt für das Amt für Straßen und Verkehrstechnik. Unser Fahrradbeauftragter, Jürgen Möllers, hat jetzt schon die zweite Fahrradmesse und die dritte Sternfahrt links liegen lassen. Im Urlaub sei er, hieß es, wie jedes Mal. Nicht, dass ich ihm seinen Urlaub nicht gönne, aber etwas Herzblut sollte man doch gerade von einem Fahrradbeauftragten erwarten können. Sind die Veranstaltungen doch mal im Juni und mal im September, da muss man sich schon bemühen, die entsprechenden Termine zu treffen. “Mut zur Lücke” scheint die Devise nicht nur für ein sicheres, geschlossenes und brauchbares Radverkehrsnetz im Amt für Straßen und Verkehrstechnik zu sein.

Grandios, und dafür möchte ich mich ausdrücklich bei den Organisatoren bedanken, war die gemeinsame Schlussrundfahrt mit allen Teilnehmern und allen Gruppen aus den verschiedenen Stadtteilen. Nachdem die einzelnen Stadtteilgruppen sich am Rudolfplatz vereint hatten, sind wir alle gemeinsam durch weitere Bereiche der Innenstadt gefahren. Das war richtig toll und wir waren richtig viele und ich habe nie das Ende unseres Corsos gesehen. Das war ein schönes Erlebnis und ich habe mich gefragt, wo sind die bloß alle, wenn ich mit dem Rad in der Stadt bin?

Elfie Scho-Antwerpes

Elfi Scho-Antwerpes mit einem mysteriösen Manuskript in der Hand

Elfi Scho-Antwerpes, die wohl selbst ernannte Fahrradbürger-meisterin, wurde dieses Jahr zur Schirmherrin der Fahrradsternfahrt auserkoren. Sie hat die erste Rede, nach der Begrüßung durch Werner Rohleff, gehalten.

Deutlich zu spüren war, dass eine Frau redet, die zwar vielfältig sozial engagiert ist, von Radverkehr aber wenig versteht oder gar verinnerlicht hat. Ihre Rede hört sich souffliert und nicht selbst “erfahren” an. Auch auf den Seiten der Stadt Köln ist Radverkehr nicht das, womit man Frau Scho-Antwerpes  wohl in Verbindung bringen soll.

Gestern Morgen habe ich beim Amtsleiter der Bürgermeisterin nachgefragt, ob es möglich wäre, die Rede von Frau Scho-Antwerpes in schriftlicher Form zu bekommen. Er antwortete mir knapp, dass Frau Scho-Antwerpes “frei” und ohne Redemanuskript gesprochen hätte. – Die Antwort habe ich verstanden, und was Frau Scho-Antwerpes oben auf dem Bild in der Hand hält, ist dann wohl eine Fahrradluftpumpe!?

Jedenfalls fordert die Bürgermeisterin am Schluss ihrer Rede “konkret unter anderem”:

Eindeutige und sichere Radverkehrsführung.
Beseitigung zahlreicher Gefahrenquellen.
Schaffung kurzer und direkter Wege.
Mehr Platz für Radfahrer.
Mehr Fahrradschutzstreifen auf der Straße.
Mehr Fahrradabstellplätze.

Für diese Ziele lohnt es sich, in die Pedale zu treten.
Setzen wir uns alle dafür ein.
Damit Köln noch fahrradfreundlicher wird.

Auf den ersten Blick ist das nicht weiter verwerflich, zeigt aber, dass eine wirkliche Auseinandersetzung mit dem Radverkehr nicht stattgefunden hat. Die ersten drei Punkte wären erledigt, würde Radverkehr auf der Fahrbahn mit einem entschleunigten Kraftfahrzeugverkehr stattfinden. Das ist aktueller Stand der Technik, wird aber von Kölner Behörden ignoriert und offensichtlich von Fahrradbürgermeisterinnen nicht wahrgenommen.

Wie gut das funktionieren könnte, zeigt die U-Bahnbaustelle zwischen Heumarkt und Neumarkt. Dort fahren alte wie junge Radler, jetzt schon seit Jahren, gemeinsam und entsprechend langsam, meines Wissens bis heute unfallfrei, auf einer stark verkehrsbelasteten Straße. Zugegeben, dort ist es aus verschiedenen Gründen nicht sonderlich attraktiv, trotzdem zeigt es, dass ein entschleunigtes gefahrloses Miteinander möglich ist.

“Mehr Platz für Radfahrer und Schutzstreifen” hört sich nach den alten Separierungsfehlern der Vergangenheit an. Schutzstreifen, dort wo sie in Köln angelegt werden, sind für den Radverkehr wenig brauchbar. Werden sie doch vornehmlich auf Einkaufsstraßen mit hohem Parkdruck und entsprechender Kfz-Fluktuation angelegt. Wenn sie nicht zugeparkt sind, sind sie zu schmal und/oder zu  nah an den regulär parkenden Fahrzeugen, damit genau im Schwenkbereich der Autotüren und generieren somit neue Gefahren. Wo Autofahrer vorher einfach dahinter geblieben sind oder wenigstens versucht haben, den angemessenen Abstand beim Überholen einzuhalten, muss jetzt die dünne Linie herhalten. Der Schutzstreifen ermutigt Autofahrer zum viel zu knappen Überholen. Hinter der Linie ist für sie hinter der Linie, auch wenn es sich nur um wenige Zentimeter handelt.  Dass Schutzstreifen von den Bürgern als Allheilmittel angesehen werden, liegt daran, dass Behörden, liebenswerte Fahrradbürgermeisterinnen und sogar der Kölner ADFC ständig und immerfort dieses kleinere Übel propagieren, anstatt sich mutig mit der Autolobby auseinander zusetzen.

An reinen Fahrrdstraßen und -trassen wäre im übrigen nichts aus-zusetzen! Eine Stadt, die sich eine feudale Treppe in den Rhein (?!?) leisten kann, muss doch ein paar Cent für die Sicherheit von Radfahrern übrig haben.

Wie auch immer,  jetzt sollen wir in die Pedale treten, damit Köln NOCH fahrradfreundlicher wird? Das müsste es dann allerdings erst einmal im Ansatz sein. Und das üben die Behörden noch. – Ich hasse diese Floskeln!

Wer, wenn nicht eine Bürgermeisterin, wäre in der Lage, handfeste Fakten zu schaffen? – Im Amt für Straßen und Verkehrstechnik erklärte man mir, dass man von den Missständen durchaus wüsste, wenn aber die Politik nichts fordere, würden sie nichts ändern. Bitte Frau Scho-Antwerpes: Ihre Baustellen, Ihre Behörden.

Hans-Georg Kleinmann

Hans-Georg Kleinmann

Erfrischend war dagegen die entschlossene Rede von Hans-Georg Kleinmann. Als jahrelanger Aktiver u.a. in der Autofreien Autoarmen Siedlung ;-) und dem VCD (Verkehrs Club Deutschland) weiß er, wovon er redet und wie er die Arbeit der Behörden einzuschätzen hat. Vor allem weiß er aber, wie er moderne und für den Bürger neue und ungewöhnliche Vorschläge umsichtig und überzeugend näher bringt. Seine Rede hat er selbst in den entsprechenden Bericht auf Marcos Seiten (radfahren-in-koeln.de – Mit dem Fahrrad in und um Köln) eingestellt und kurz kommentiert. Dem ist von meiner Seite aus nichts mehr hinzuzufügen, außer dass es mir schwer fällt, die Maßnahmen der Stadtverwaltung in der Vergangenheit als fahrradförderlich anzuerkennen. Ich denke, das war von Hans-Georg Kleinmann auch nur ein rhetorischer Schachzug. ;-)

Eigelstein - Hastig für Radfahrer im Gegenverkehr freigegebene Einbahnstraße

Zum Beispiel Eigelstein - Hastig für Radfahrer im Gegenverkehr freigegebene Einbahnstraße. Dafür gibt es von mir keine Anerkennung. Hier geht Parkraum eindeutig vor Sicherheit. Irrsinn!

Alles in allem war diese Sternfahrt ein gelungener Event und ich habe einen schönen Tag mit netten Menschen verbracht. Dafür möchte ich den Organisatoren hier nochmal danken. Natürlich gibt es die ein oder andere Kleinigkeit, die man in Zukunft besser oder anders vorbereiten kann, ärgerlich auch, dass ausgerechnet zwei Tage vorher die Homepage der Veranstalter ausfällt, aber shit happens – es war ein schöner Tag. Man darf nicht vergessen, dass hier Leute eine Sternfahrt aus dem Nichts gestampft haben, deren Profession es ganz bestimmt nicht ist, Großveranstaltungen zu organisieren. Alle haben einen Beruf oder eine andere Aufgabe und opfern ihre Freizeit dafür, uns eine Freude zu machen. Und gegenüber so mancher unvorsichtig geäußerten Meinung: Sie sind niemandem Rechenschaft schuldig.

Gruppenbild

Die Organisatoren

Ein großer Teil der Kölner Fahrradblogger ist sich auf der zweiten und dritten Sternfahrt begegnet. Das hat Simon zum Anlass genommen, die Kölner Fahrradblogger unter dem Link: fahrradblogger.de zusammenzufassen. Auch Dir, Simon, vielen Dank.

Rücken

Rückennachrichten

Weitere Beiträge zur Sternfahrt:

Kölner Fahrrad Sternfahrt

Marcos Radfahren in Köln

Elmars Medienecken und wasihmindensinnkommt

Meine Südstadt

Erstes Geisterrad in Köln

 Ghostbike

Erstes Kölner Geisterrad an der Kreuzung Dürener Straße/Stadtwald Gürtel

Jetzt steht in Köln auch eines: Das erste Geisterrad wurde gestern Mittag, am Dienstag den 04.05.2010 vom Kölner ADFC in Köln Lindenthal an der Kreuzung Dürener Straße, Ecke Stadtwald Gürtel, aufgestellt. Am 16. März ist dort eine 57-jährige Radfahrerin  bei einem klassischen Rechtsabbieger-Unfall mit einem LKW ums Leben gekommen:

ADFC Köln

Bericht vom Stadtanzeiger

Velo 2010 – Unfälle mit Todesfolge

Ein Geisterrad oder auch Ghost Bike (der Trend und die Idee kommen aus den USA) wird dort aufgestellt, wo ein Radfahrer im Straßenverkehr getötet wurde. Es ist sowohl eine Gedenkstätte für den ums Leben gekommenen Radfahrer als auch ein Mahnmal gegen den sinnlosen Tod im menschenfeindlichen Straßenverkehr. (www.ghostbikes.org)

Die beiden Kölner ADFC Vorsitzenden Erich Koprowski, Joachim Schalke und die Bürgermeisterin Sho-Antwerpes stellen in Köln das erste Geisterrad auf.

Die beiden Kölner ADFC Vorsitzenden Erich Koprowski, Joachim Schalke und die Bürgermeisterin Scho-Antwerpes stellen in Köln das erste Geisterrad auf.

Passanten betrachten neugierig das weiße Fahrrad.

Neugierig betrachten erste Passanten das weiße Fahrrad.

Solange Kölner Behörden einen größeren Verkehrsfluss höher werten als das ein oder andere Menschenleben, muss der ADFC noch viele weiße Räder aufstellen. Allerdings hoffe ich, dass es ganz anders kommt!

Wer hat den “schwarzen Peter”?

Betonmischer übergibt die Verantwortung den Radfahrern

Dass nur behelmte Rennradfahrer die Gefahr neben LKW suchen, ist reine Interpretation des Designers

Eigentlich eine gute Idee, auch dem letzten merkbefreiten Radfahrer zu kommunizieren, dass LKW-Fahrer in ihrer Kabine nach hinten und zur Seite nahezu blind sind und viele der besonders schweren Unfälle (oftmals mit Todesfolge) beim Rechtsabbiegen von LKW passieren. Viel zu oft musste ich beobachten, wie Radfahrer LKW rechts überholten oder sich an Kreuzungen rechts von ihnen aufstellten. Auch wenn die Straßenverkehrsordnung (§ 5 StVO Abs. 8) ein rechtes Vorbeifahren an wartenden Fahrzeugen unter bestimmten Umständen erlaubt, man kann es nicht oft genug sagen, gilt für den Selbstschutz:

Radfahrer gehören ausschließlich in den Sichtbereich vor oder hinter andere Kraftfahrzeuge, niemals – und vor allem nicht bei LKW – rechts daneben!!! So ist auch hinter stehenden Fahrzeugen ein ausreichender Sicherheitsabstand einzuhalten, weil Fahrzeugführer oftmals unvermittelt rückwärts fahren und sich dabei häufig lediglich auf ihre Spiegel verlassen.

Dass rechtsabbiegende LKW in Kombination mit Radverkehr äußerst gefährlich sind und Behörden und Gesetzgeber sich hierzu bedeckt halten, weiß offensichtlich auch der Hersteller oder Ausrüster von Fahrmischern. Immer häufiger sieht man diese mit dem entsprechenden Schild bestückt. Obwohl die Problematik allen bekannt ist, scheint es umso unverständlicher, dass immer noch Radwege, Radstreifen oder Schutzstreifen gebaut oder angelegt werden, die ein Rechtsvorbeifahren am rechtsabbiegenden Kraftfahrzeugverkehr erlauben. Anstatt den innerstädtischen Verkehr zu entschleunigen und den Radverkehr mit dem Kraftfahrzeugverkehr auf einer gemeinsamen Fahrbahn zu führen, wird weiterhin auf eine strikte Revierabgrenzung gesetzt, und das auf Kosten der Gesundheit und des Lebens der Radfahrer.


Aktuell wurde in Köln auf der Straße ”Burgmauer” (s. Bild unten) ein neuer Radstreifen fertiggestellt. Bisher war es möglich, dort schnell und sicher voranzukommen. Jetzt müssen Radfahrer den Radstreifen benutzen und befinden sich – obwohl vorfahrtsberechtigt – rechts vom Rechtsabbiegerverkehr. Schon das erfordert von ihnen eigentlich eine erhöhte Aufmerksamkeit, doch weil sich viele vermeintlich sicherer fühlen, fahren sie entsprechend entspannter und unaufmerksamer. Der außerdem viel zu schmale Radstreifen ist mit einem Überholverbot gleichzusetzen, da der Gesetzgeber ein Verlassen des Sonderwegs nicht zulässt. Das bedeutet, man muss auf der ganzen Länge einem schwächeren Verkehrsteilnehmer womöglich in Schrittgeschwindigkeit hinterherfahren, und das, obwohl links zwei breite Fahrstreifen für den KFZ-Verkehr vorhanden sind! Überholt man trotzdem, begeht man nicht nur eine Ordnungswidrigkeit, sondern setzt sich einer erheblichen Gefahr aus. Darüber hinaus blockieren parkplatzsuchende KFZ-Führer den benutzungspflichtigen Weg beim Rangieren, beim Ein-/Aussteigen, beim Laden und Warten auf freie Parkplätze. Obwohl Köln einen Fahrradbeauftragten beschäftigt, sind solche Rückschritte Alltag!

Neuanlage eines Radstreifens in Köln, Burgmauer

Wider besseren Wissens wurde gerade ein Radstreifen in Köln neu angelegt (Burgmauer) ...

Meinen Erfahrungen gerecht werdend, endet der neue Radstreifen bevor er Anfängt: Typischer Kölner Radverkehrsanalphabetismus

... allerdings endet er, bevor er anfängt: Typischer Kölner Radverkehrsanalphabetismus

Jedenfalls geben Verwaltung und Straßenplaner derzeit ihre Verantwortung an die LKW-Fahrer ab, die ihrerseits ihre Verantwortung an die Radfahrer weitergeben. Und so wird es bleiben, wenn Rad- und LKW-Fahrer nicht endlich beginnen, den Verkehrsbehörden mächtig auf die Füße zu treten.
Und damit nicht genug, es wird sich sicher auch noch irgendwann, irgendwo ein Richter finden, der einem verunfallten Radfahrer eine Mitschuld aufbrummt, weil ein LKW-Fahrer aufgrund des Hinweisschildes aus der Verantwortung genommen wird. Nicht zu vergessen: Die Anzahl der tödlich verletzten LKW-Fahrer bei Unfällen mit Radfahrern geht gegen Null!
Allen meinen Überlegungen zum Trotz sollten wir Radfahrer vielleicht auch über den ein oder anderen Aufkleber nachdenken, wie er virtuell an meinem Oberrohr zu sehen ist: gut sichtbar für jeden LKW-Fahrer. ;-)
Vorsicht beim Geradeausfahren

Vorschlag eines Aufklebers (Photomontage)

Bei wem auch immer die Verantwortung liegt, den “schwarzen Peter” haben letzten Endes die Radfahrer. Dabei handelt es sich auch nicht um Bagatellen – was bei diesen Diskussionen gerne vergessen wird - wegen dieser “Unzulänglichkeiten” sterben Menschen. Wenn nicht bald etwas passiert, werden die Warnschilder in Zukunft womöglich so aussehen!

Überfahrene Radfahrer

Anzahl der überfahrenen Radfahrer (Retusche)

Rund um Köln 2009

Jedermann-Rennen, Rund um Köln 2009, Schmitzebud

Jedermann-Rennen, Rund um Köln 2009, Schmitzebud
 

Das lassen sie sich bis zu 50 Euro Startgebühr kosten: Einmal legal auf der Fahrbahn fahren, wo es ansonsten, wegen der Radwegbe-nutzungspflicht, nur über Stock und Stein geht. Über 3000 Rad-fahrer nahmen Ostermontag am sogenannten Jedermann-Rennen
rund um Kölns Osten teil.
Am Nachmittag starteten die Profis. – Und hätten mich nicht mindestens drei Streifenwagen darauf hingewiesen, dass es sich um ein Radrennen handelt, ich wäre dem Irrtum erlegen, einer Rallye zuzusehen. Tatsächlich konnte man schließlich auch zwischen den motorisierten Fahrzeugen eine Handvoll Radfahrer ausfindig machen.  
   
Rund um Köln 2009, Schmitzebud

Rund um Köln 2009, Begleitfahrzeuge

Dagegen kostenlos, aber ebenso jenseits der Radwege, sind am 21.06.2009 alle zur zweiten Kölner Fahrradsternfahrt einge-laden. Und weil jeder Radfahrer ohnehin ein Gewinner ist, braucht man sich auch nicht beeilen, sondern kann während der Fahrt einfach mit Gleichgesinnten über die Welt und Kölner Radverkehrs-politik plaudern. Spaß, Fitness und die besondere Aufmerksamkeit der Automobilisten, deren Wege wir ganz und gar für uns haben werden, entlohnen jeden einzelnen Teilnehmer. Es gibt voraus-sichtlich zehn Startpunkte und ein Ziel, der Roncalliplatz, auf dem etwas Animation und die Abschlusskundgebung stattfinden sollen.

www.koelner-fahrrad-sternfahrt.de