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Kanal voll oder die Fahrradleichen von Lindenthal

Rautenstrauchkanal

Sanierung des Rautenstrauchkanals unter Beobachtung von Centauren, Nymphen und einer Teichralle

Im Kölner Stadtteil Lindenthal werden derzeit die unter Denkmalschutz stehenden Clarenbach- und Rautenstrauchkanäle saniert. Nach der schrittweisen Trockenlegung wurden im Rautenstrauchkanal die letzten Fische zur Umsiedlung abgefischt (oben), während im Clarenbachkanal mühsam allerlei Schrott aus dem Schlamm geborgen wurde (unten). Bei dem Schrott handelte es sich im Wesentlichen um Fahrräder verschiedenen Alters. In zwei Tagen haben die Arbeiter knapp 50 Räder allein aus dem Clarenbachkanal entfernt.

Clarenbachkanal

Verschiedene Fahrradleichen werden aus dem Clarenbachkanal geborgen

Clarenbachkanal

Räder bedeckt mit Schlamm, Moos und Schwamm

„Im Jahr 2009 wurden der Polizei Köln insgesamt 7.677 Fahrräder als gestohlen gemeldet.“ heißt es auf den Seiten von Velo 2010 und „Die Aufklärungsquote im Bereich Fahrraddiebstahl sank im Jahr 2009 auf 5,93%.“ – Fahrräder stellen augenscheinlich in unserer Gesellschaft keinen Wert dar. Ich nehme an, dass das der Grund ist, warum bei der Bergung keine Polizei zugegen war und die Räder ohne weitere Dokumentation direkt zur Schrottverwertung gebracht wurden. Schade, denn es ist nicht davon auszugehen, dass die Besitzer ihre Fahrräder selbst in den Gewässern entsorgt haben. Jetzt sind die Räder unwiederbringlich weg.

Cube Rahmen

Zumindest auf den ersten Blick tadelloser Cube Rahmen und von Schwamm befallenes Vorderrad

Kölner Vandalen sind nicht besonders kreativ, überwiegend schmeißen sie Fahrräder und Einkaufswagen in den Kanal.

Fahrrradleichen

Fahrrradleichen im Rautenstrauchkanal und Teichralle auf Einkaufswagen

Welches Zeicherl hätten’s denn gern?

Blanko-Schilder

Blanko-Schilder, kein Photoshop, vielleicht eine Erfindung Kölner Verkehrsbehörden

Am 03.03.2009 stürzte in Köln das Historische Stadtarchiv ein. Beim Amt für Straßen und Verkehrstechnik hat man blitzschnell reagiert: Knapp zwei Monate später wurde eine wenig attraktive Umleitung für Radfahrer eingerichtet. Aber immerhin.

Das war dem Fahrradbeauftragten eine News in der Rubrik „Alle Meldungen zum Radverkehr 1 wert: „Severinstraße auch für Radfahrer wieder besser erreichbar„. – Mit ausreichend guten Meldungen feiert man sich dort nämlich gerne selber.

Keine Meldung war dem Fahrradbeauftragten die Aufhebung dieser Umleitung 2 wert, hätte Radfahrern zwar geholfen und wäre auch eine Meldung zum Radverkehr, aber damit kann man sich nicht feiern. Anstatt Zeichen 1022-10 „Radfahrer frei“ sieht man dort jetzt nichts, bzw. leere Schilder und schon gar keinen Hinweis auf eine geänderte Verkehrsführung.

Kurios, sollen die Radfahrer die weißgebliebenen Schilder jetzt selber ausfüllen, weil sie die einzigen sind, die sich mit Radverkehr auskennen? – Das wäre doch toll. Sind die Schilder vom Wetter ausgeblichen worden? Schaft man auf den Platzhaltern Raum für Tags von frustrierten Graffitikünstlern? Wie auch immer, die meisten Radler sind von den Blanko-Schildern so irritiert, dass sie, trotz Verbot, verkehrt herum in die Einbahnstraßen einfahren. Dort fahren jetzt mehr Radfahrer in die „falsche Richtung“ (entgegen der Einbahn), als Kraftfahrzeuge in die richtige. Zumindest konnte ich das beobachten, während ich die Fotos machte.

Weil die Herren der Schilder selbst nicht an ihre Anordnungen glauben, hat man die Warnung, Zeichen 138 „Radfahrer kreuzen“ und Zusatzzeichen 1000-31 „beide Richtungen“, vor entgegenkommenden Radfahrern auch lieber stehen gelassen (viertes Foto von unten). Muss ja nicht richtig sein, man weiß ja, was gemeint ist. – Mäht nix.

Solange Behörden den Radverkehr nicht ernst nehmen, darf sich niemand wundern, dass Radfahrer die Regeln der Behörden nicht ernst nehmen und ernst nehmen werden. Diese Regeln versteht ohnehin kein Mensch.

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1 Zur Information für Opera-User: Die Seiten der Stadt Köln werden mit dem Opera-Browser nicht korrekt dargestellt. – Internet kann man bei der Stadt Köln offensichtlich genauso gut, wie Radverkehr.

2 Besser allerdings wäre es gewesen, die Öffnung der Einbahnstraßen nicht aufzuheben, sondern vorher schon über die Mathiasstraße und dann das Sionstal in die Südstadt fortzuführen. Aber das hätte Parkplätze gekostet. – Also keine Aufgabe für das Büro des Fahrradbeauftragten.