Einfach mal Rad fahren

Kanäle in Lindenthal
Wochenende, die Sonne scheint, der Veranstaltungskalender gibt nichts her. Was könnte man bei dem schönen Wetter unternehmen? – Rad fahren ist anstrengend und nein, nicht bei dem Verkehr hier in Köln … viel zu gefährlich! – Tatsächlich ist dieses eines der häufigsten Argumente, das ich höre, wenn ich mit Leuten spreche, die noch immer sämtliche Alltags- und Freizeitfahrten mit dem Auto erledigen. Sie fürchten sich: vor dem Wetter, vor ihrer eigenen Kondition, vor den unverständlichen Regeln, vor den aggressiven anderen Autofahrern, vor der Enge, vor dem Lärm und schließlich auch vor Unfällen. Sie sind einfach überfordert!
Dabei muss das alles gar nicht so schlimm sein. Tatsächlich gibt es nämlich so etwas wie “grüne Routen”, die nahezu in jedem Stadtteil zu finden sind. Denn wer bereit ist, kleinere Umwege in Kauf zu nehmen, kann sich auf Strecken fernab von hoher Verkehrsbe-lastung fortbewegen, um sich so vorsichtig an den Großstadtver-kehr zu gewöhnen. Genau das Richtige für Einsteiger. Die meisten Argumente der Radfahrmuffel gelten hier nicht.
Mit einer wunderbaren Idee kommt uns dabei die Stadt Köln, respektive die Ämter für Straßen und Verkehrstechnik, Landschaftspflege und Grünflächen und für Presse und Öffentlichkeitsarbeit zu Hilfe. Die haben nämlich verschiedene innerstädtische Fahrradrouten veröffentlicht, die eben vornehmlich abseits der stark befahrenen Autorouten und und zwar durch Grünflächen, Parkanlagen und Wälder, an Weihern, Bächen und Flüssen verlaufen. Diese Routen kann man sich als Flyer bei den verschiedenen Ämtern abholen oder sogar herunterladen und das vollkommen kostenlos. – Ausnahmsweise eine gelungene Idee, den Radverkehr zu fördern. Denn nimmt man sich etwas Zeit, taugen diese Routen sogar als Alltagsverbindungen, nicht für jeden Tag, aber vielleicht gelegentlich!
Ich habe mir die Route “Rund um Lindenthal” ausgesucht, um sie hier vorzustellen. Ich glaube, dass sie ohne weiteres als Einsteigerroute taugt und dabei so abwechslungsreich und erholsam ist, dass sie Lust auf mehr macht. Die Strecke ist nahezu frei von Steigungen und mit ca. 19 km gerade mal so lang, dass sie durchaus einem Untrainierten zumutbar ist.
Kinderanhänger sollten möglichst zu Hause bleiben, da unzählige Drängelgitter eine komfortable Passage unmöglich machen.

GPS - Ein nützliches Hilfsmittel für die Routenplanung
Die Präsentationen der Tourbeschreibungen auf den Seiten der Stadt Köln sind je nach Zeitpunkt der Veröffentlichung von unterschiedlicher Qualität. So sind die Touren “Auf den Spuren des preußischen Kölns” reine Textwegbeschreibungen, während die neueren immerhin mit einer einfarbigen Karte aufwarten.
Die aktuelleren Touren,
1. Mit dem Rad um Nippes
2. Mit dem Rad um Ehrenfeld
3. Mit dem Rad um Lindenthal
4. Eine Radtour durch Mühlheim
5. Mit dem Rad in den Waldreichen Nordosten
weisen neben Informationen zur Tour und entsprechenden Sehenswürdigkeiten, die Wegbeschreibung und eine sehr gute mehrfarbige Karte auf, die ich als Flyer, aufgefaltet etwa 40 cm mal 42 cm, erhalten habe. Karte und Texte lassen sich auf den Seiten der Stadt Köln herunterladen: Touren in und um Köln.
Leider liegen die Touren nicht als GPS-Track vor, so dass man diese (sicher nur vorerst) selbst digitalisieren muss. Die Rechte an der Route liegen bei der Stadt Köln. Aus urheberschutzrechtlichen Gründen darf ich meine Tracks hier nicht zur Verfügung stellen.
Die Karten und Wegbeschreibungen sind aber so gut, dass es mit der Navigation auch ohne GPS keine Probleme geben dürfte.
Um dem einen oder anderen Appetit auf etwas alternative Nahmobilität zu machen, habe ich unterwegs etwas fotografiert und diesen Beitrag mit ein paar Bildern garniert.

Stadtwaldweiher
Die Route beginnt am Aachener Weiher und führt komplett durch die verschiedenen Grünanlagen rund um die Stadtteile Lindenthal, Klettenberg, Zollstock, Sülz und wieder zurück zum Ausgangspunkt. Um die Informationen aus den Flyern nicht zu wiederholen, verzichte ich auf eine detaillierte Beschreibung der Tour und lasse die Bilder für sich sprechen.

Herbstlaub im Stadtwaldweiher

Stadtwald

Stadtwald am Adenauerweiher

Müngersdorfer Stadion und FC-Heim

Weg zum Adenauerweiher im Stadtwald
In den verschiedenen Weihern kann man zahlreiche Arten von Entenvögeln beobachten: Im Bild oben eine sogenannte Nilgans und darunter junge Höckerschwäne bei der Futtersuche. Einige Rad- und Wanderwege kreuzen oder teilen sich die Route: Auf dem letzten Foto im oberen Bild der Kölnpfad (weißer Kreis auf schwarzem Grund).

Arboretum, Decksteiner Weiher

Verkehr auf der Berrenrather Straße
Nicht nur beim Queren der Berrenrather Straße ist Geduld gefragt. Die Lindenthalroute kreuzt an mehreren Stellen, je nach Uhrzeit, stark befahrene Straßen dort, wo keine Querungshilfen vorgesehen sind. So kann es manchmal mehrere Minuten dauern, bis zwischen den vielen Fahrzeugen eine ausreichend große Lücke das Überqueren der Fahrbahn erlaubt.

Römisches Schlammfangbecken und Wasserleitung neben der Berrenrather Straße

Kalscheurer und Decksteiner Weiher

Brücke über den Militärring
Unterhalb der Rad- und Fußgängerbrücke stehen einige Wohnwagen. Dort empfangen Huren ihre Freier.

Preußisches Fort mit Rosengarten

Start und Ziel: Aachener Weiher

Gefahren und Hindernisse
Leider kann ich, auch bei dieser an sich schönen Strecke, mir Kritik nicht verkneifen. Ein wirkliches Ärgernis sind die vielen viel zu engen Umlaufsperren, die eine Durchfahrt mit Anhänger fast unmöglich machen. Zwischen Dürener und Bachemer Landstraße (zweites Bild von oben) bin ich mit meinen Gepäcktaschen nicht an dem Drängelgitter vorbeigekommen, ohne das Rad umzuheben. An besonders schönen Tagen mit vielen Freizeitradlern kommt es sogar zum Rückstau innerhalb des Schienenbereichs.
Dort, wo der Radweg die Bachemer Straße kreuzt, empfinde ich den Überweg geradezu als Frechheit für eine innerstädtische, von Studenten viel befahrene, Radroute (letztes Foto auf obigen Bild): Zu der unsäglichen Umlaufsperre kommen noch die viel zu hohen Bordsteine und das, obwohl der Überweg mit einer Lichtsignalanlage geregelt ist!
Ganz besonders schlimm ist, dass die Zuständigen offensichtlich darüber Bescheid wissen und nicht eingreifen. So weisen die Herausgeber der Tour u.a. das Amt für Straßen und Verkehrstechnik sogar noch auf Probleme an den Umlaufsperren hin, anstatt diese Stellen zu entschärfen und auch für den Radverkehr passierbar zu machen.
Milde stimmt mich die Tatsache, dass die Tour gerade erst herausgegeben und mit Sicherheit von Mitarbeitern des Fahrradbeauftragten getestet wurde. Alle Mängel haben sie sicherlich akribisch notiert und katalogisiert und jetzt brütet ein 14-köpfiges Team darüber, wie man diese Wege endlich fahrradfreundlich gestalten kann. – Hoffentlich!
Teile der Tour bin ich in den letzten zwei Wochen zweimal gefahren. Im Vorgebirgspark gibt es nebeneinander zwei verschiedene Wege (drittes und viertes Foto im letzten Bild). Ein breiter, asphaltierter, gepflegter und komfortabler Weg und ein schmaler (max. 1,60 m breit) mit Verbundsteinpflaster ausgelegter Weg, der unter vielen Wurzelaufrissen leidet, teilweise zugewachsen und oft unter dem vielen Laub schwer auszumachen ist. Der geneigte Leser darf jetzt raten, welcher der Wege (durch Zeichen 237 Radfahrer und Zeichen 239 Fußgänger) für Radfahrer in zwei Richtungen benutzungspflichtig war. – Richtig: Selbstverständlich der holprige schmale Pfad mit Verbundsteinpflaster.
Aber – oh Wunder – auf der gesamten Strecke zwischen Markus- und Vorgebirgstraße wurden vor ein paar Tagen alle Schilder spur- und bisher ersatzlos entfernt. Radfahrer können jetzt den breiten komfortablen Weg nutzen. Ich nehme wohlwollend an, dass es sich dabei um ein erstes Ergebnis der Anstrengungen des Teams um den Fahrradbeauftragten handelt: Meinen Glückwunsch!
Ich will nicht weiter zynisch über die Unzulänglichkeiten des Amtes für Straßen und Verkehrstechnik, inklusive des dazugehörigen Fahrradbeauftragten philosophieren. – Fakt ist, werden diese Routen erst einmal ausreichend genutzt, dann entsprechend ausgebaut und schließlich als sogenannte “Grüne Routen” etabliert, bieten sie eine erstklassige Alternative zu den bisherigen Radverkehrsverbindungen. Routen, abseits von hohem automobilen Verkehrsaufkommen, auf womöglich eigenen Radverkehrs-Trassen, dürften eine ganz neue Qualität für den Radverkehr bedeuten und stellen, so glaube ich, eine einzigartige Chance der Radverkehrs-förderung dar. Eine gute Idee, den Bürgern Radverkehr zum Ausprobieren anzubieten, auch wenn es nur ein winziger erster Schritt ist.
Warum darfst Du deine selbst gefahrenen GPS-Tracks hier nicht zur Verfügung stellen?
@ Siggi
Ich gehe davon aus, dass es sich damit ähnlich verhält, wie mit jedem geistigen Eigentum. Würde ich z.B. ein Buch abschreiben und dann veröffentlichen, würde ich gegen das Urheber- und Verlagsrecht verstoßen.
Ich bin allerdings kein Jurist, wenn jemand mehr oder anderes weiß, lasse ich mich gerne belehren.
Wenn Du einen GPS-Track hier reinstellst, den Du selbst gefahren bist ,und in z.B. “Tour am 24.Oktober” nennst, wer sollte da Rechte dran haben ausser Du selbst?
Es gibt im Internet jede Menge Seiten wo Leute ihre GPS Tracks hochladen.
Das ganze OpenStreetMap-Projekt lebt ja auch davon.
Die Route, die ich gefahren bin, entspricht, fast auf den Meter genau, der Tour, die ich von der Stadt Köln als Route: “Mit dem Rad um Lindenthal” nach gefahren bin. Außerdem würde ich sie in meinem Blog ausdrücklich mit der Lindenthalroute in Verbindung bringen, damit wäre es nicht mehr die Route, die ich zufällig “am 24. Oktober” gefahren wäre.
Wenn ich meine Routen bei GPSies oder OpenStreetMap hochlade, dann nur, wenn ich die Rechte daran habe, die ich dann allerdings weitestgehend abgebe.
Aber wie gesagt, alles nur gefährliches Halbwissen.
Ja, was man alles genießen könnte, wenn das Radfahren in Köln einen angemessenen Stellenwert bekäme.
Über die Problematiken bei der Radbenutzung in Köln schreiben wir häufig genug. Die schön anzuschauenden Bilder zeigen nicht nur die Vielseitigkeit der verschiedenen Strecken, sondern fordern auch eine verstärkte Beachtung der Belange der Radfahrer.
Lässt man den Text weg, so kommen die Bilder doch irgendwie einer Liebeserklärung an Köln nahe.
Ich freue mich sehr darüber und danke Dir für die schönen Bilder.
In Bezug auf die GPS-Tracks sehe ich ähnlich wie Siggi.
Bedenken hätte ich nicht, diese Tracks zur Verfügung zu stellen.
Ich habe auch Tracks von einer Tour nach Zons oder einer Tour zum Kloster Knechtsteden zur Verfügung gestellt. Selbst wenn die Route in irgendeinem Buch beschrieben worden ist, so bin ich diese gefahren und, anders als beim Buch, habe ich keine schöpferischen Möglichkeiten, daran etwas zu ändern. Texte anderer werden ja nicht übernommen.
Die Bilder sind wirklich vom Feinsten!
Ich persönlich finde ja, dass es sich lohnt, kleine Umwege für eine schönere, autofreiere Strecke in Kauf zu nehmen. Meine Strecke zur Arbeit hab ich mittlerweile immer mal wieder verfeinert. Mir ist es auch wurscht, dass ich dadurch evtl. 5 min. länger brauche.
Nach der Umstellung auf Winterzeit ist die schöne Strecke allerdings obsolet: morgens dunkel, abends dunkel.
Echt tolle Bilder und eine tolle Beschreibung der Strecke. Wenn ich Deine Bilder sehe, merke ich erst, dass ich wohl immer mit geschlossenen Augen durch die Gegend fahre und öfter mal die Umgebung auf mich wirken lassen sollte. Ich kenne zwar jeden dieser Orte, aber deren Schönheit wird mir erst durch Deine Bilder offenbart. Ich wusste gar nicht, dass sogar Drängelgitter so ästhetisch sein können.
Ein “Dickes” Lob.
@Arne,
“…von Mitarbeitern des Fahrradbeauftragten getestet wurde. Alle Mängel haben sie sicherlich akribisch notiert und katalogisiert und jetzt brütet ein 14-köpfiges Team darüber, wie man diese Wege endlich fahrradfreundlich gestalten kann. – Hoffentlich!”
Weißt du eigentlich was der Weihnachtsmann und der Fahrradbeauftragte der Stadt Köln gemeinsam haben?
Nur naive Menschen und Träumer glauben an die Existenz dieser Personen.
LG
Highner