Et hätt noch immer joot jejange


Mülheimer Brücke from ArVo on Vimeo.

… sagt bei Gelegenheit der ein oder andere Kölner und das Ergebnis dieser stoischen Gelassenheit ist auf der Mülheimer Brücke zu erfahren. Seit mindestens fünf Jahren kämpft die Mülheimer Fahrradgruppe für eine sichere Möglichkeit die Brücke zu überqueren. Wie Stadt, Behörden und Medien auf die Bemühungen reagieren, kann man bei den Mülheimern in einer Projekt Chronik nachlesen.

Zu dem Video ist nichts weiter zu sagen, als dass man einen Einrichtungsradweg sieht, der seit ca. drei Jahren überhaupt erst benutzungspflichtig ist. Vorher konnten die Nervenstarken unter uns Radlern die zweispurige, stark befahrene Fahrbahn benutzen – zugegeben nicht jedermanns Sache. Das war nicht nur - zumindest für manche - ein Sicherheitsvorteil sondern auch eine wesentlich schnellere Verbindung.

Nicht einer von uns drei Radfahrern im Video, die wir in vorgeschriebener Fahrtrichtung unterwegs waren, konnte sich unter diesen Umständen überhaupt an die Straßenverkehrsordnung halten. Noch wesentlich schlimmer ist die Tatsache, dass weil ich die Regeln weitestgehend befolgt hatte, ich den beiden anderen eher im Weg war, bei weitem weniger gesehen hatte und somit mindestens einen Konflikt verschlimmerte.
So erzieht die Stadt Köln ansonsten mit Sicherheit sehr nette Menschen zu Fahrradrambos – schade eigentlich.

Mülheimer Brücke

Über Kritik, Ideen und vor allem kostengünstige technische Tipps zur Umsetzung von selbst gedrehten Fahrvideos auf dem Rad wäre ich sehr dankbar, das Wackeln der Bilder nervt mich schon gehörig.

11 Antworten auf “Et hätt noch immer joot jejange”

  1. Das Video rockt! Und meinen Tipp zum wackelfreien Aufnehmen haste ja ;-)
    Ich wünsche Dir einen schönen Samstag und gleich noch einen schönen Sonntag als Bonus obendrauf!
    Dein
    Tech Support ;-) (Danke für den Link ;-) )

  2. Hallo Arvo
    Dein Video demonstriert hervorragend die (Gefahren-)Situation der Radfahrer – nicht nur in Köln.
    Über das Ruckeln würde ich mir keine Gedanken machen. Es verdeutlicht nur, wie ‘gepflegt’ die Radwege sind. … und da ist die Mühlheimer Brücke noch ein ‘Vorzeigeobjekt’.
    Ich würde meine Kamera nicht am Rad befestigen wollen – aus Furcht, dass alle Einzelteile herausgeschüttelt werden.
    Mit freundlichem Radlergruss

    Raymond

  3. Das Video und der Text zeigen sehr deutlich das Kölner Motto.
    “LIEBER 10000 RADFAHER GEFÄHRDEN, ALS EINEN AUTOFAHRER BEHINDERN”
    Auch ich bin, bis zum Jahr 2004, immer auf der Fahrbahn über die Brücke geradelt. Hupendende Autofahrer interessieren mich nicht. Einmal wurde ich dort von einer Polizeistreife abgedrängt und aufgefordert den angeblichen Radweg zu benutzen und einmal wurde ich, im Rahmen einer grossangelegten Polizeiaktion, von der Fahrbahn gewunken. Da hatte ich dann mal Gelegenheit mir den Radweg zeigen zu lassen, den ich angeblich benutzen muss. Sie fanden ihn nicht.

    siggi

  4. Das Video zeigt exakt meine tägliche Erfahrung auf der Brücke. Jeder Radfahrer, der die Brücke benutzt, weiß das nur allzu gut (die merkbefreiten Geisterfahrer mal ausgenommen). Nur diejenigen, die schon wiederholt darauf angesprochen wurden und für eine Lösung zuständig wären, also Polizei, Fahrradbeauftragter, Ordnungsamt etc., interessieren sich in keiner Weise dafür, das Problem zu lösen. Die Reaktionen reichen von Hilflosigkeit bis zu demonstrativem Desinteresse – die Stadt Köln und ihre Behörden sind hier schlicht und einfach handlungsunwillig und handlungsunfähig.

  5. „…die Stadt Köln und ihre Behörden sind hier schlicht und einfach handlungsunwillig und handlungsunfähig…” ?!?!?…sehe das anders: diese sind „schlicht“ (und ergreifend ;-) nach wie vor weitgehend, vorwiegend, überhaupt und wie auch immer … völlig auto-verkehr(t)-fixiert, aller Beteuerungen zum Trotz (wegen Umwelt, Klima, Unfall-Gefahren), die als notwendig erkannte **Verkehrswende herbeizuführen, hebeiführen zu wollen. Gutes Beispiel: obwohl die “Stadt” bei der Messe einigen Einfluss hat – - – die IFMA ist den Bach runtergegangen. Eigentlich müsste es längst zusätzlich eine Messe kombiniert zu den Themen Umwelt-Verkehr-Leben-Gesundheit-Urbanität-Menschlichkeit-Nachhaltigkeit-wahrem Wohlstand usw… geben, den Themen unserer, d.e.r Z.e.i.t , in der wir leben… – überleben muss es richtig heißen. Aber damit wäre ja auf die große Schnelle nicht so viel Cash zu machen, denke sie (die Römer)… Ich habs neulich so schön formuliert: wir machen weiter, so sehr die Römer auch spinnen…und ich bleibe dabei: wir werden gewinnen, den ganzen (Größen-)Wahn *beenden! Denn nichts anderes ist der Hintergrund der ganzen Misere…sagte doch auch einer unserer Klassiker so schön:

    Gefährlich ists den Leu zu wecken,
    Verderblich ist des Tigers Zahn,
    Jedoch der schrecklichste der Schrecken
    Das ist der Mensch in seinem Wahn.
    (Lied von der Glocke)

    *) auch natürlich mit jedem Tritt in die Pedalen..!
    **) seh grade, diesen Begriff kennt mein PC nicht mal: schlägt u.a. „Verkehrsende“, „Verkehrswände“ . . . . . vor . . . .!!

  6. … wer hatte denn hier eigentlich Widerspruch gegen die Benutzungspflicht eingelegt und wie lautete das Ergebnis und die Begründung?

  7. … der Radweg entspricht ja nicht den Mindeststandards der StVO – das entbindet aber ArVO nicht von der Einhaltung selbiger:

    - drei Mal ohne Sicherheitsabstand (die Faustformel: “Abstand gleich halber Tacho”) auf andere Radfahrer aufgefahren

    - obwohl mit einfach Blick voraus (Fußgänger und Pfeiler) klar war, dass ein sicheres Überholen nicht möglich ist

    - im Bereich der Pfeiler hat er dann versucht, ohne Verringerung der Geschwindigkeit praktisch blind, so schnell und so dicht wie möglich rumzukommen

    Ist eigentlich genau das, was wir Autofahrern immer vorwerfen – zu schnell und zu dicht – “… aber der Radfahrer neben mir ist doch nicht umgefallen, als ich ihn mit Tempo 50 innerhalb der gleichen Fahrspur überholt habe …”

    Das wichtigste was ich in den letzten Jahren beim Rad fahren gelernt habe, ist Bremsen. Komischerweise kommt man damit entspannter und schneller als 99 Prozent der anderen Radfahrer ans Ziel. Auch wenn man sich an jede rote Fußgängerampel hält und man die hilflos umhergurkenden Rotlichfahrer kurz darauf bei Grün mit ein paar Kurbelumdrehungen wieder überholt hat – sieht allerdings extrem bescheuert aus … ;-)

  8. @benno
    Meines Wissens hat bisher niemand Widerspruch gegen die Benutzungspflicht eingelegt. Ich vermute allerdings, dass er, wegen der hohen Verkehrsdichte auf der Brücke, abgelehnt werden würde, ansonsten werden solche Verfahren wohl kaum veröffentlicht. Was mich persönlich angeht, beschäftige ich mich erst seit ca. eineinhalb Jahren mit den Rechten der Radfahrer und eigne mir mein Wissen mühsam über das Internet und diverse Literatur an. Im Gegensatz zu Dir verdiene ich nicht mein Geld damit, sondern bin lediglich ein Bürger, der sich wundert, wie schwer es ist, in unserer Demokratie Recht zu bekommen. Anfragen zur Zusammenarbeit mit den örtlichen Fahrradvereinen und -gruppen waren, zumindest bisher, ergebnislos. Allein in der näheren Umgebung meines Wohnorts wären so viele Widersprüche einzulegen, dass ich beim besten Willen nicht wüsste, wo ich anfangen sollte. Bisher beschränken sich meine Bemühungen auf persönliche Gespräche mit Polizei, Fahrdienstleiter des Ordnungsamts und der Behörde für StVO-Anordnungen/Baustellenmanagement. Gelegentlich konnte ich um Verständnis werben oder auf die ein oder andere fehlerhafte oder illegale Beschilderung aufmerksam machen, die nach der Korrektur eher eine Verschlimmbesserung für den Radverkehr bedeutete. Schnell wird man zum nervenden Querulanten abgestempelt. Der Kölner Fahrradbeauftragte leitete nach meiner Erfahrung entsprechende Anfragen lediglich weiter, kontrollierte aber weder die Umsetzung noch das Ergebnis. Die ein oder andere Anfrage blieb komplett unbeantwortet. Es scheint, als sei ihm eine positive Presse wichtiger als eine tatsächliche Verbesserung der Radverkehrssituation. Zumindest ist sein Tun wenig transparent. In der Rubrik „Aktuelles und Aktionen“ des Amtes für Straßen und Verkehrstechnik auf den Seiten der Stadt Köln lobt man sich selber mit neuen Radverkehrsanlagen, die den Namen nicht verdient haben. Zum Beispiel, um beim Thema zu bleiben, berichtet erst kürzlich der Fahrradbeauftragte, dass die Mülheimer Brücke nach Jahren endlich eine Beschilderung erhalten hat, die es nun allen ermöglichen soll, die richtige Auffahrt zur Brücke überhaupt zu finden. Dazu wird nochmal der Zeigefinger erhoben: Nicht auf der falschen Seite fahren! Und es scheint, als würden die Damen und Herren glauben, dass damit die Sache für sie erledigt sei. Wie unsinnig und nicht nachvollziehbar die Radverkehrsführung an diesem Ort ist, zeigt die Karte als PDF-Datei am Ende des Artikels. Kein Wunder, dass dort so viele Falschfahrer unterwegs sind.

    Ansonsten wäre ich jedem dankbar, der sich und sein Wissen um das Widerspruchsrecht mit einbringen würde. Radverkehrspolitik ist nichts für Einzelkämpfer.

    Lieber Benno, was Deine Kritik an meiner Fahrweise angeht, so verstehe ich nicht wirklich, was Du damit erreichen willst, zumal ich nach wie vor glaube, dass ich gegen keine Regel der StVO verstoßen habe, im Gegenteil:

    – vor dem ersten Pylon ist meine Geschwindigkeit so angepasst, dass ich trotz der entgegenkommenden Falschfahrerin sicher ausweichen kann. Selbst bei noch geringerem Tempo hätte sich in dieser Gefahrensituation ein Überfahren der weißen Linie nicht vermeiden lassen

    – der Radfahrer vor mir fährt auf dem Gehweg, ich fahre auf dem Radweg, demzufolge kann ich ihm kaum zu dicht auffahren

    – trotzdem rechne ich mit weiteren Verstößen und überhole den Gehwegradler vorerst nicht, meine Befürchtungen bestätigen sich und der Radfahrer wechselt ohne jegliches Zeichen – er dreht sich nicht einmal um – in meine Fahrspur und nimmt mir die Vorfahrt. Erst als der Gehwegradler wieder zurück auf den Gehweg wechselt, ist meine Fahrspur wieder frei und ich fahre an ihm vorbei

    – ähnlich die Radlerin in dem hellen Mantel, sie fährt auf dem Gehweg, ich fahre auf dem Radweg, somit kann ich ihr nicht zu dicht auffahren! Vor dem zweiten Pylon verzichte ich darauf, an ihr auf meiner freien Spur vorbei zu fahren, da ich durchaus mit weiterem Fehlverhalten und möglichem Gegenverkehr rechne. Obwohl sie mich hinter sich wahrgenommen hat, entschließt sie sich, die Spur über die durchgezogene weiße Linie ohne deutliches Zeichen zu wechseln, anstatt einfach anzuhalten und mir Vorfahrt zu gewähren, dabei schneidet sie mich auf meiner Fahrspur

    – ich fahre erst an ihr vorbei, als sie sich wieder auf dem Gehweg befindet

    – ich war die ganze Zeit bremsbereit und habe vorsichtshalber an den entsprechenden Stellen meine Geschwindigkeit reduziert

    – vor allem entsprechen die auf dem Video zu sehenden Geschwindigkeiten nicht den real gefahrenen. Um den Betrachter nicht zu langweilen, habe ich diverse Passagen beschleunigt wiedergegeben, andere dafür verlangsamt

    Deiner Aussage, dass man die Rotlichtfahrer nach ein paar Pedalumdrehungen wieder eingeholt hat, kann ich nur beipflichten. Meistens kommt es sogar noch schlimmer und ich kann sie aufgrund der schmalen Radwege nicht überholen, so dass ich die nächste Ampel anstatt bei Grün, erst wieder bei Rot erreiche, an der ich stehen bleibe, während sie wieder weiterfahren … usw.

    Danke für Deinen Kommentar ;-)

  9. Hi ArVO, dachte ich mir, dass Du Dich noch nicht allzu lange mit dem Thema befasst hast – da Du aber jetzt erhebliche Energie zu investieren scheinst, will ich Dir helfen, Dich ein wenig auf die Erfolgsspur zu lenken … ;-)

    Das mit dem Geld musst Du erst mal vergessen – als ich mit dem meiner Arbeit für mehr Fahrradfreundlichkeit in Berlin angefangen habe, war an Geldverdienen damit nicht im Traum zu denken. Während meines Studiums habe ich schwere Lkw durch Berlin gefahren, nachts Pakete sortiert und später mein Konto in astronomische Tiefen gebracht, um meine Lobbyarbeit finanzieren zu können. Auch heute ist meine Arbeit als Fahrradbeauftragter nur ein Teil meines Überlebens und nix mit rumsitzen – ich bin Freiberufler … ;-)

    Ich weiß nicht, was Du sonst von Beruf bist – ich würde aber einige Dinge anders machen. Das ganze Thema bewegt sich ja eigentlich zwischen Journalismus, Marketing und Recht – und steht im Wettbewerb mit anderen Themen, zum Beispiel Autofahren.

    Wenn Euer Fahrradbeauftragter offiziell für das Radfahren im Namen der Stadt wirbt, solltest Du das nicht schlecht machen. Praktisch müssen Leute gewonnen werden, die heute noch nicht Radfahren oder an entscheidenen Stellen sitzen und das Thema nicht verstanden haben. Und da gelten die gleichen Regeln wie überall – ein bisschen plump gesagt das AIDA-Konzept: attention, interest, desire, action.

    Jetzt sind ja die Regeln wie die StVO 1997 ja eigentlich nicht die schlechtesten – wenn das Recht o.k. ist, aber nicht umgesetzt wird, musst Du es im Zweifel überprüfen lassen (Widerspruch, Klage, Bundesratsinitiative …). Viele Probleme wären ja automatisch gelöst, wenn mehr Menschen Fahrrad fahren würden – Stichwort Kritische Masse, weshalb zum Beispiel Rad fahren in Teilen von Berlin-Mitte auch ohne jede Radverkehrsanlage ganz gut funktioniert, aber nicht in den Randbezirken. Also besseres Marketing machen. Und Journalismus, um eben auch die notwendige Diskussion zu führen – dabei sollte aber der Pressekodex eingehalten und nicht der Eindruck von Propaganda erweckt werden.

    So dass war’s schon, jetzt können wir wieder zu den konkreten Problemen zurückkommen … ;-)

    Das mit dem Bremsen meinte ich wirklich ernst – bei Tempo 25 heißt der Sicherheitsabstand 12,5 Meter nach vorne und 1,50 Meter zu Seite (einspurige Fahrzeuge …) – dürfte also auf der Brücke eigentlich gar nicht möglich sein. Genauso wie Geisterradler nerven, nerven auch die, die nicht Bremsen können – also ganz am Anfang ihrer Radfahrerkarriere sind und noch keine Beinmuskulatur haben.

    Hast Du schon mal einen persönlichen Termin mit dem Fahrradbeauftragten in Köln gemacht? Also nicht nur so zwischen Tür und Angel?

  10. die Leute machen Fahrräder und Sachen kaputt

  11. [...] und an der Mülheimer Brücke berichtet, die Einträge finden sich hier. Einen weiteren Beitrag hat Arne von radgefahren.de verfaßt. Der Artikel beinhaltet ein imposantes Video, das allerdings nicht die komplette traurige [...]

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