Spikes oder ein „Schwalbe“ macht noch keinen Sommer

Ein paar gibt es noch ...

Kaum Radverkehr im Dezember

Nur wenige Radfahrer zeigten sich im vergangenen Dezember auf den Kölner Straßen. Das verwundert nicht weiter, wurden doch trotz der extremen winterlichen Verhältnisse gerade mal die Fahrbahnen der Hauptverkehrsstraßen geräumt.

bevorzugt behandeltes Verkehrsmittel

Autos werden in Köln bevorzugt behandelt

Kölsche Lösung

Kölsche Lösung

Selbst Autofahrer mussten diesen Winter enorme Behinderungen durch die Unzulänglichkeiten der Verwaltung in Kauf nehmen. Wenn ich mich recht erinnere, tönten die verantwortlichen Betriebe im Lokalfernsehen noch eine Woche vor dem ersten Schneefall, dass sie aus den Fehlern des letzten Winters gelernt hätten. – Vielleicht hätten sie das Gelernte auch noch umsetzen müssen. Naja.

Es ist kein Geheimnis, dass Kölner Autofahrer den Anforderungen winterlicher Straßenverhältnisse nicht gewachsen sind. Sie hassen Lenken und vermeiden es zu bremsen – auf Radfahrer und Fußgänger wird keine Rücksicht genommen. So kam es, dass selbst das Benutzen der Fahrbahn für Radfahrer keine brauchbare Alternative bot.

Diesen Winter war ich so häufig wie noch nie mit öffentlichen Nahverkehrsmitteln unterwegs. Das wollte ich aber nicht: Ich musste aufrüsten und entschloss mich, Winterreifen für mein Fahrrad zu kaufen.

Kölsche Lösung

Ein vierzehnköpfiges Team Kölner Verkehrsexperten hat auf diesen Bildern zwei benutzungspflichtige Radwege versteckt. Wer findet sie?

Leichter gesagt, als getan. Überall waren die begehrten Spikes vergriffen und kurzfristig nicht lieferbar: „20 oder 24“?“ war die Standardfrage, wenn ich mich nach Spikes erkundigte. Ein Berliner Versand versprach, Mitte Januar liefern zu können. Gut, habe ich gedacht, wenn sie dann kommen – Murphy’s Law – wird es wenigstens ab Mitte Januar nicht mehr schneien. 😉

Die Zeit verging.

Hochwasser

Bei traumhaftem Sonnenschein "Hochwasser gucken" im Rheinpark, nicht nur mit dem Fahrrad

Hochwasser

Hochwasser

Hochwasser

Hochwasser

Wie zu erwarten, der Schnee war weg, der Rhein führte mittlerweile schon ein beachtliches Hochwasser, da erreichte mich ein mördergroßes Paket aus Berlin, meine neuen Winterreifen.

riesen Paket

Mördergroßes Paket aus Berlin mit Spikereifen

Spikereifen sollen ca. 50 km auf  Asphalt vorsichtig (kein heftiges Beschleunigen oder Bremsen) eingefahren werden, um die Spikes für optimalen Sitz in den Reifen zu drücken. Auf den Bildern unten sieht man recht gut, dass die Spikes noch unregelmäßig aus dem Profil heraus gucken.

Nun, es war eis- und schneefrei, wann sollte ich die Reifen einfahren, wenn nicht gleich? Also rauf damit.

Spikereifen

Spikereifen

Ich hatte mich für Nokian-Reifen aus Finnland entschieden, die mit je 160 Spikes für meine Bedürfnisse, laut Homepage des Händlers, die besten Eigenschaften haben sollen.

Schade, erst bei der Montage bemerkte ich, dass die Reifen keine Angabe für die Laufrichtung hatten. Erst nach einer weiteren Recherche im Internet habe ich in einem Forum, nicht aber auf der Händlerseite, einen entsprechenden Hinweis gefunden – bis jetzt weiß ich nicht, ob die Reifen wirklich richtig herum montiert sind. Auch der maximal angegebene Druck war mit 45 PSI etwa 3,1 Bar für mich zu niedrig. Bei Kurvenfahrt walkte der Reifen zur Seite. Mit ca. 4,5 Bar fährt er sich jetzt weitestgehend stabil. Keine Ahnung, ob ich durch den höheren Druck mit unangenehmen Konsequenzen zu rechnen habe.

Erst in der darauf folgenden Woche konnte ich den Berliner Radkomponentenversender telefonisch erreichen. Auch er konnte mir keine befriedigenden Antworten zu meinen Fragen, die Laufrichtung und den Druck betreffend, geben. Er verwies lediglich auf den Hersteller. – Mut zur Lücke.

Außerdem schade, dass Nokian seine Reifen nicht mit Reflexstreifen ausstattet. Das ist bei Schwalbe und Continental längst Standard [Edit, 03.02.11, 9:30: Hier war wohl Wunsch Vater des Gedanken. Bei Continental und Schwalbe sind Reflexstreifen nicht unbedingt Standard, auch wenn es so sein sollte. Wenigstens aber sollten deutsche Händler angesichts der Straßenverkehrszulassungsordnung Käufer über das Fehlen dieses Sicherheitsmerkmals ausdrücklich informieren]. Mein Händler hält es jedenfalls nicht für nötig, die Kunden auf diesen Missstand hinzuweisen, schließlich stünde in der Artikelbeschreibung nicht, dass einer vorhanden wäre. – Also, entsprechende Speichenreflektoren gleich mit bestellen.

Spikes und Regen

Spikes, Regen, Spikes am Seitenständer

Ansonsten halte ich den Nokian für einen guten Reifen. Ich habe ihn jetzt schon ca. 300 km! auf Asphalt „eingefahren“, ohne dass ich auch nur eine vereiste Pfütze touchiert habe. Bis jetzt ist mir kein Spike verloren gegangen.

Manchmal habe ich allerdings den Eindruck, auf dem Asphalt zu kleben und auch die Lautstärke der Spikes ist nicht jedermanns Sache. Aber immerhin hören mich Fußgänger auf Radwegen jetzt schon von weitem:

Hörprobe: Spikes auf Asphalt

Nicht, dass ich abergläubisch bin, aber der Gedanke, dass es nicht mehr ernsthaft schneien wird, seit ich die Winterreifen aufgezogen habe, lässt mich nicht mehr los und nur eines besänftigt mich: Die knapp achtzig Euro sind gut investiert, ersparen sie mir, d.h. uns, doch weiteren Schnee! 😉

Spikereifen im Microschnee

Spikes im Schnee

… und damit ich mich nicht ganz so schlecht fühle, hat es die Tage hier 2,57 mm geschneit. Darauf fährt man im Übrigen sogar mit Slicks noch sicher. 😉

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Heute morgen hat es sogar noch etwas mehr geschneit – der Schnee wird nicht liegen bleiben – aber ich hatte Gelegenheit, die Reifen ausgiebig zu testen. Großartig, sowohl auf ca. 2 cm frischem Schnee als auch auf einer festgefahrenen stark komprimierten Fahrbahnschicht war ich wie auf den viel gerühmten Schienen unterwegs.

Ein „Schwalbe“, ein „Continental“ oder ein „Nokian“ Spikereifen machen noch keinen Sommer. Trotzdem, Spikes bei winterlichen Straßenverhältnissen möchte ich jedem Radfahrer unbedingt nahelegen, handelt es sich doch um einen enormen Sicherheitsgewinn.

14 Antworten auf “Spikes oder ein „Schwalbe“ macht noch keinen Sommer”

  1. Moin.
    Ich mag Deinen Fotographie-Stil! Klasse, wie Du mit der Tiefenschärfe spielst. Toll auch die Tönung der Hochwasserfotos. Einfach richtig gut. Wie lange hast Du auf den E-Rollstuhl gewartet?
    Jetzt noch ne Frage: Ist Dein Fahrrad orange?

    Grüße
    Wolfgang

  2. . . . schöne Bilder . . . 😉

  3. Danke sehr!

    Der E-Rollstuhlfahrer hat wohl eher auf mich gewartet 😉 und mein Fahrrad ist schwarz, hat 26“ Räder und einen Brooks Sattel.

    … auch einen lieben Gruß nach Hamburg. 😉

  4. Tolle Fotos. Der E-Rollstuhl ist der Hammer.

    Auf dem Nachhauseweg sehe ich heute ein oranges, blinkendes, reflektierendes Etwas auf dem Weg liegen (so ein asphaltierter Mehrzweckweg am Feldrand). Einen Herrn mittleren Alters hat es mit dem Rad böse auf dem überfrorenen Asphalt hingehauen, er lag auf dem Weg und jammerte. Auf die Schulter war er gefallen, der Fuß tat weh. Zum Krankenwagen rufen ließ er sich dann nicht überreden und humpelte weiter.

    Ich hab mit den Spikes wirklich nicht gemerkt wie glatt es ist. Meine sind von Conti (Snow Stud) und haben auch keine Reflexstreifen.

  5. Übrigens fahre ich schon den 3. oder 4. Winter in Folge mit Spikes, weiß allerdings nicht welches Fabrikat. Ich hatte keine großen Probleme im Schnee, ich fühle mich wesentlich sicherer. Und ich hatte noch keinen Platten in der Nachschneeperiode, in der noch Wochen oder Monate das grobe Granulat auf den Fahrradpisten liegen bleibt. Mein Fahrradhändler sagte mir letzte Woche, dass seit Ende der letzten Eiszeit täglich etwa 5 Kunden mit Platten zur Reparatur kommen. Mit den guten Spikes fällt das Problem weg. Wenn wir in Köln, Hamburg, Berlin oder anderen deutschen Städten keine Kopenhagener Radwegeverhältnisse im Winter haben – an Spikes denkt dort niemand – dann will ich mir trotzdem nicht den Spaß am Rad fahren nehmen lassen. Ich fahre gern im Winter bei Schnee 🙂

  6. Das mit dem Granulat im Reifen kann ich nur bestätigen. Ist ein echtes Problem. Kürzlich hat sich ein Steinchen sogar durch meinen Schwalbe Dureme gearbeitet … Das wollte ich dann eigentlich an die Stadtverwaltung schicken – war dann aber doch zu milde 😉

  7. Exle, danke für Deinen Kommentar und die Information über die Reflexstreifen, ich habe den Beitrag entsprechend ergänzt.

    Zu dem Herrn, den es auf dem glatten Asphalt hin gehauen hat, fiel mir Folgendes ein: Die wenigsten Leute wissen von der Existenz besonderer Winterreifen mit Spikes für Radfahrer. Als ich gestern also auf den glatten verschneiten Straßen meine Kapriolen schlug, um die neuen Reifen im Schnee zu testen, fuhr ich an einer Frau vorbei, die ihr Rad vernünftigerweise schob. Quer über dem Gepäckträger hatte sie eine Gehhilfe (Krücke) befestigt.
    Was nun, wenn sie meinen Fahrstil zum Anlass genommen hätte, die Straßen für sicher zu halten und sich mutig auf ihr Rad geschwungen hätte. – Das war nur so ein Gedanke, aber trotzdem … nicht auszudenken …

  8. „mein Fahrrad ist schwarz, hat 26” Räder und einen Brooks Sattel.“
    Schönste Kombination vonne Welt ;)… http://twitpic.com/3g40cq

    Ich bin dieses Jahr zum ersten Mal mit Schwalbe Snow Studs unterwegs gewesen (ein Schnäppchen im Herbst).
    Das Gefühl, förmlich auf dem Asphalt zu kleben, hatte ich mit diesen Reifen auch. Und trotz des gutes Fahrgefühls bin ich doch an manchen Tagen auf den ÖPNV umgestiegen, weil ich nicht den Eindruck hatte, dass meine Mitmenschen auf der Straße ihre Fahrzeuge gut unter Kontrolle hatten…es hätte der Logik zufolge umgekehrt sein müssen.

    Und der Split hat mich natürlich erwischt. Der erste Platten seit den zwei Jahren, in denen ich mit Marathon Plus unterwegs bin, inclusive eines verlorenen Spikes.

    Ach ja, tolle Bilder.

    Gruß

  9. Habe auch diesen Winter zum ersten Mal Spikes – Marathon Winter – drauf und bin ziemlich begeistert. Fährt sich super auf Glatteis, Rauhreif, wenig Schnee und fester, relativ ebener Schneedecke. Allerdings nicht gut auf festgetretenem, unebenen Tiefschnee mit festgefrorenen Spurrillen – aber man kann ja nicht alles haben. 😉
    Ich glaub, hier in Franken ist der Winter noch nicht vorbei, deshalb lass ich die Dinger noch ein Weilchen drauf.
    Nachteil: Der Rollwiderstand auf Asphalt ist schon erheblich höher, aber was soll’s.
    Und die erstaunten Blicke der Mitmenschen sind schon köstlich, wenn man full speed bei winterlichen Verhältnissen an ihnen vorbeizischt… 🙂

  10. Ich fahre den Marathon Winter jetzt im zweiten Winter. Nach 5000 Kilometern funktioniert er immer noch sehr gut und ohne Platten. Glatteis ist gar kein Problem, die Riefen von gefrorenen Radspuren eher.
    Es gibt immer ein paar ungebildete Autofahrer, die meisten aber sind rücksichtsvoll, wenn man auf der Straße fährt.
    Tatsächlich: sehr gute Bilder

  11. Lieber Arne:
    wie meine Vorschreiber ja schon anmerkten: ein sehr schöner Bericht und -wie immer- wirklich phantastische Fotos!
    Ich möchte Dir ausdrücklich zu Deinem Neuerwerb gratulieren und Dir von Herzen danken – bist Du doch (siehe Murphys Law) derjenige, dem ich das feine Fahrradwetter und somit hunderte von Radkilometern in den letzten Tagen zu verdanken habe ;-).
    Ich finde es übrigens sehr lustig, daß Dein Rad jetzt genauso klingt, wie mein Rennrad derzeit (und vermutlich noch bis Oktober) auf Kölner „Radwegen“ …. das schreit nach ner gemeinsamen Runde!

  12. Hallo. Schöner Artikel. Ich habe seit diesem Winter auch Spikereifen (Schwalbe Snow Stud) und bin damit sehr zufrieden.

    Einen Hinweis möchte ich noch geben:
    Bei Spikereifen ist es wichtig mit dem Druck zu „spielen“. Liegt Schnee etwas weniger Druck, ohne Schnee mehr Druck. Dann klebt man in der schneefreien Zeit nicht so auf der Straße.

    Bei den Snow Studs steht an der Seite auch drauf wieviel Druck mit und ohne Schee drauf sollte.

  13. Nokia – reifen sind die besten. Grüsse aus Finnland.

  14. Ich wohne im Schwarzwald,
    fahre seit vielen Jahren Nokian, seit diesem Winter auf einem weiteren Rad Schwalbe Marathon Winter. Beide in 26 Zoll.
    Die Nokian haben in vielen Wintern keinen spike verloren, die Schwalbe nach wenigen Hundert km den Ersten.
    Mit beiden fahre ich auch auf vereisten Strecken so sicher wie auf trockenem Asphalt. Gefühlt rollen die Nokian etwas leichter.
    Die Nokian lassen sich auch bei vereisten Spurrillen nicht so leicht aus der Ruhe bringen.
    Meine Nokian habe ich so montiert, daß die Spitze des „V“ im Profil zuerst auf der Fahrbahn auftrifft. Analog Schlepperreifen.
    vG Markus

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